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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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die Göttlichkeit der Welt und des Menschen mit dem überhellten Zweifler-blick des Besserwissenden leugnete und selbst ihren eigensten Bereich derKräfte und Stoffe leblos und mechanisch sah, schien kein Partner mehrfür solche Liebe zu leben, wie sie etwa Goethe und Jean Paul in Herder,Hölderlin in Schiller, Nietzsche in Wagner gefunden hatten. Gerade demgrößten Verkünder der göttlich-heldischen Liebe hatte sich ihre höchsteVergegenwärtigung im Menschen versagt. Er hatte in seiner frühen JWgend vergeblich gehofft, sie in einem Meister zu finden, der ihn führe,in der Jünglingszeit vergeblich geharrt, sie in einem Freunde zu g e 'winnen, der sich ganz mit ihm binde, er war jetzt auf der Hälfte desLebensweges fastsatt noch zu vertraun". Aberjeder tüchtige Menschsagt Hebbelmuß in einem großen Manne untergehen, wenn er jemalszur Selbsterkenntnis und zum sicheren Gebrauch seiner Kräfte gelange"will: ein Prophet tauft den zweiten und wem diese Feuertaufe das Haarsengt der war nicht berufen!" Die Zeit des Untergehens in einen Älterenoder Gleichaltrigen war für den dreiunddreißigjährigen George vorüber-gegangen, und die stumme Not dieser unerfüllten Sehnsucht war derinnerste Kern seiner Werk- und Weltnot nach dem Abschluß des TEPPICHS'war die verborgene Qual eines großen Herzens das keinen Raum mehrfür die Überfülle seiner Liebe sah. Auf der Lebenshöhe drohte der Wegder Liebe wie des Wirkens ins Dunkel zu stürzen. Aber die härteste Pr 11 'fung lag vor der hellsten Gunst.

Die Lebenshöhe wurde für George auch dadurch gezeichnet, daß di eAltersspanne zu den jüngsten Gefährten und Freunden die sich um in"sammelten, immer größer wurde. Das Schwergewicht eines reichen Lebenund Werkes verwandelte auf natürliche Weise das Verhältnis der Jüng e 'ren zu ihm und ließ seinen eigenen Blick mit stärkerem Nachdruck vonden gleichaltrigen auf die nachkommenden Geschlechter der Jugend fallen'Der ehemals selbst nach dem Führer suchte, dann Weggenossen und Mit'kämpfer gleichen Alters um sich scharte, war nun selbst zum Meister unFührer geworden, zu dem die Jünglinge kamen, und sein Auge richtetesich zum ersten Male inniger auch auf die unteren Stufen der Altersleiter-Was ihm bisher in Deutschland an Knaben entgegengetreten war, hattekeinen anderen Anteil in ihm erweckt als wohlgebildete Menschlichke»überhaupt. Sie hatten ihm eher weniger schön geschienen als die natur-wüchsigen Kinder Siziliens, die gutgepflegten Englands oder die wohler-zogenen Frankreichs.

Auch in der Dichtung spiegelte sich dies Verhältnis zur Jugend deUlieh wieder. Die berückenden Knabengestalten der frühen Bücher in denGedichten der Infant, der Saitenspieler, Tag des Hirten und Sporenwach e308