mus, während Verlaine im Gegensatz dazu das Wesen der Poesie nur imschlichten Liedhaften sah. Als leichter Hauch ohne Gebundenheit durchstrenge Regeln oder kunstvolle Formen sollte das Lied nur Ausdruck einerkünstlerischen Seelenerregung in sangbarer Weise sein. Er löste sich dahervon allen Gebundenheiten der Übereinkunft und Überlieferung und suchtedie freiesten Rhythmen und den freiesten Strophengang. Nur Rimbaud gingdarin noch weiter als er. Was wir Deutschen seit Goethe und den Roman-tikern als gebräuchlichstes Gut hatten, wurde durch den Lothringer Ver-laine erst für Frankreich erobert und Heinrich Heine war sein Vorbild'Durch die Heinesche Leichtigkeit löste er die französische Dichtung ausden etwas starren und prüden Formen ihres Klassizismus, aber gerietselbst zuweilen in die Heinesche Selbstironie und Auflösung. Freilichliegt in seinen besten Gedichten, auch wenn sie die galantesten Szene 11umschließen, ähnlich wie in den Gemälden Watteaus eine ergreifendeSchwermut, die Heine fehlt oder von ihm ins Burleske umgebogen wurde>
Gerade die tiefe Schwermut Verlaines wie die dunkle RätselhaftigkeitMallarmes haben die Geltung dieser Dichter schon in der folgenden Gene'ration in Frankreich verringert. Der Franzose liebt auch in der Dichtungnur was in der „Gesellschaft" von jedermann verstanden wird und ver-abscheut als ungesellschaftlich ja ungehörig was jenseit der Klarheit desLogischen oder in schwer erreichbarer Seelentiefe liegt.
„Ich glaube," sagt Verwey einmal, „daß die Franzosen sich von Deut'sehen und Niederländern vor allem unterscheiden durch das Streben nachsichtbarer Linienschönheit und der Bevorzugung von Glanz, Fluß un öVerflechtung ihrer Formen, die sie über die Vortrefflichkeiten eine finneren Verbundenheit stellen." (Proza VII.) Von dieser Sicht aus i gtihm Henri deRegnier der echte Franzose: ein klarer Seelendeuter-der die verwirrende Gestaltenfülle der Natur reliefartig in die gewölbteOberfläche eines Marmors meißelt, das innerliche Leben in umrissene 11Landschaften und Vorstellungen versichtbart und alle Eindrücke der Wir' 5 'lichkeit zu einem selbständigen dekorativen Schmuck verarbeitet.
Gabriele d'Annunzio, mit dem George einige Briefe wechselte, stafl"diesem lateinischen Pathos nahe ohne doch die seelische Regsamkeit defranzösischen Symbolisten zu haben. Wenn d'Annunzio später durch seinpolitische Tätigkeit einen flüchtigen europäischen Ruhm erwarb, so g e 'schah dies auf Kosten seiner dichterischen Kraft. Das für ihn Bezeich'nende: die Verbindung von Dichter, Volksredner, Politiker ist genau da s 'selbe was alle bei uns nach der sogenannten Öffentlichkeit trachtende* 1Geister am glühendsten bewundern und ach! wie Hofmannsthal, Voh'möller u. ä. gern erlangt hätten aber nie erlangt haben. Während d' e
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