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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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wandter als seinen Landsleuten: in der hohen Vorstellung vom Dichter undseiner Aufgabe und in der schroffen Verneinung der bestehenden Gesell'schaft. Aus beiden Gründen haben seine mitlebenden Zeitgenossen i°Frankreich ihn nicht voll begriffen und erst die Symbolisten haben an sei*nem Dichtertum und seiner Vorstellung vom Dichter einen tieferen Antengenommen. Aus beiden Gründen haben Nietzsche und George ihn bewun*dert und geliebt und der erste vor allem seinen Kampf gegen die Zeit, derzweite vor allem seinen Kampf um die Stellung des Dichters aufgenommen-Baudelaire sah mit Grauen das Zeitalter des bildungssatten heuchlefl'sehen Bourgeois herannahen und wandte sich mit Ekel von einer verbrauch'ten Gefühlswelt ab, die dem Dichter keinen lebendigen Stoff mehr bot. E fdurchbrach im Stofflichen als erster die Grenzen der französischen Über*einkunft und suchte ähnlich wie sein geliebter Delacroix in der realistischenMalerei aber mit leidenschaftlicherem Durchstoß seine Erlebnisse in denGegenbereichen des Brüchigen, Giftigen, Reizhaften, Kranken und Sün-digen. Die Gefühlserregung (.Sensation'), welche die Verkehrtheiten undEndreize boten, erschien ihm echter als alle geistige Trägheit der Bür-gerei, jede Übersteigerung wahrer als deren seelische Verflachung. Abe rseinDandysme" hatte nichts zu tun mit einer persönlichen Genußsuchtoder gar einer sinnlichen Perversität, wie sie später Oskar Wilde zumliterarischen Typus erhob. Nach allen Berichten blieb Baudelaire sein Lebenhindurch der jungfräuliche Dichter, den schon die geringste Berührungmit dem Gemeinen gefährdete und verletzte, und ihn kennzeichnet ähn-lich wie Nietzsche eher ein Mangel an sinnlicher Derbheit und ein Über-maß an geistiger Zartheit. Auf dieser schmalen Grundlage züchtete undläuterte er seine adlige Menschlichkeit zu einem Dichtertum, in dessenschönsten Werken alle Widerstreite der Zeit versunken und neue Länderder Seele erobert sind. Im Formalen freilich blieb auch er stets auf demBoden der französischen Überlieferung und trotz mancher neuen Maße i stsein häufigster Vers der alte Alexandriner. Als die Symbolisten naenseinem Tode den Kreis seiner Gegner sprengten und die ausgetretenenPfade der Parnassiens wie der Realisten verließen, erwählten sie Baude-laire zu ihrem Führer und kamen in der Schule dieses großen Dichters nie* 1wie die deutschen Naturalisten in Versuchung die dichterischen Form-gebilde zu mißachten noch die Abschilderung der Wirklichkeit für dieAufgabe der Dichtung zu halten. Sein Vorbild gab die Losung, ^ aeine Überwindung der unkünstlerischen Gegenwelt nur durch eine Berei'cherung der Formen und eine Vertiefung der seelischen Gehalte mögh cl1sei. Der Niedergang der bürgerlichen Gesamtbildung, wie Baudelaire i nI "vorausgeschaut hatte, war freilich in gleichem Schrittmaß mit dem gerühm*296