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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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zu deuten: mehr Äußerung des Willens als Lehre, mehr Befeuerung alsErklärung, mehr Angriff und Abwehr als Betrachtung. Von dort her hatdie Prose dieser Gruppe das Herrische, Imperatorische: sie ist von klarerNüchternheit, die das Leidenschaftliche nur in der Unbedingtheit unoWucht spüren läßt, maßvoll beherrscht und dennoch glühend, wie aus ge-panzerter Rüstung fahrend mit treffsicherem Schlag und Stoß. Was sievon der Prose Nietzsches und auch der Franzosen unterscheidet ist dasFehlen des .Esprit', des geistreichen Witzes, sie kennt wohl den ironischenHohn, aber wahrt, wenn man will, die deutsche Sachlichkeit auch dem Geg"ner gegenüber und sucht niemals auch die kleinste Frage durch eine spielerische Wendung abzutun.

Die zweite Gruppe nähert sich mehr der dichterischen Fließung undBildhaftigkeit. Dennfreilich gibt es einen prosaischen Rhythmus" wi eJean Paul sagt, aber von dem Unendlich-Bewegten, von der ewigen Mel°-die der Jean Paulschen Prose mit ihren flutenden Träumen und ins Uner-meßliche aufschweifenden Wirbeln unterscheidet sich die Georgesche auchin der Darstellung von Träumen und Gesichten durch ein unverrückbarStetiges: eine hohe Bauvernunft und eine fast unheimliche RaumstiU e 'Mag eine Landschaft oder ein Zimmer, eine Erscheinung oder ein innererZustand geschildert sein, tiefstes Leid oder grausamstes Geschehen: niemalswird der ruhige Gang der Sprache gestört, die Gefaßtheit ihrer Führungund der durchdringende Ernst bleiben in jedem Aufruhr der Seele uner-schüttert und nur etwa die haarscharfe fast schneidende Übereinstimmungin der Benennung eines äußeren Gegenstandes und einer inneren Empfin-dung, das überraschende Auftauchen der schwarzen Farbe in der schondunklen Sinnlichkeit herbstlicher Bilder, das Bezeichnen eines losbrechen-den Jauchzens durch immer vollere Worte der Steigerung bewirken in den 1gleichmäßig strengen Gang der Worte und Sätze jene Erhellung oder Vefdüsterung, die bezaubernd und erschütternd in uns bricht. Denn diese Lich-ter und Schatten erscheinen auf einem Rhythmus, der nach Gehalt und Arder Stücke, ob Schilderung Brief oder Rede, wechselt, aber innerhalb desStückes von unveränderlicher Schwingung ist. Dadurch erhält der W" rt 'ton, sei es eines einzelnen oder einer Gruppe von Wörtern, eine für o 1Prose fast unglaubliche Möglichkeit der Gehobenheit, der Malung d eSschrillen Schreies wie des rauschenden Jubels, des kühlen Hof-Tones w* eder schmerzlichen Klage. Daß diese ungebundenen Rhythmen dennoch sfest und einheitlich geführt sind und über ihnen das Melos seine Töne s°freibeweglich und dennoch in sicher verteilten Gewichten spielen läßt, teüuns das beglückende Gefühl der Herrschaft ja des Sieges mit, den der Die* 1 'ter über die spröde Sprache gewonnen hat und Stücke wie dieAltertüm-

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