deren sich die Tagesschreiber bald bemächtigten. Die Dichter wissen, daßfür manches keimende Leben die Namen noch mangeln, daß oft Weishei-ten in einem Volke dämmern, für die Wort und Geste noch nicht gefundensind und daß die Behütung des jungen Wachstums auch im sprachlichenBereich wichtiger ist als schnelle Verbreitung und Verschleißung. Denn,so sagte die siebente Folge: „der heutige geistige und künstlerische Mensenmuß seine Werte ausbilden in völliger Loslösung von der Allgemeinheit,von allen öffentlichen und tagbedingten Forderungen (dem .Offiziellenund .Aktuellen'), wobei wir vorläufig ganz unerwähnt lassen, daß jederbefruchtende, jeder befreiende Gedanke aus Geheimkreisen (Zenakeln)hervorkam. Er darf sich durch die heuchlerische Klage nicht beirren lassen:so ginge jede Berührung mit dem .Volk' verloren — denn die ungeheure* 1Menschenanwüchse dieser Zeit enthalten keine Spur mehr von den Spann-kräften eines .Volkes'. Daß er die Millionen, die er in einigen Mustern zurGenüge kennenlernt, als ein Nichtbestehendes übergeht, wird für ein wi s 'sendes Zeitalter so wenig Anstoß sein als was der Antikische tat mit derüberwiegenden Menge der Sklaven und Haustiere (pecus et maneipium)-Wenn die Blätter sich mit solcher Verachtung dem modischen Lob d erMasse entgegensetzten, so verschonten sie freilich auch die entgegeng e 'setzte Schwäche der geistigen Deutschen nicht: sich in die musikalischenund mystischen Reiche der Entrücktheit und Ubersinnlichkeit zu flüchten,und zu glauben, daß das Ablegen einiger wärmenden Hüllen schon ein Tau-chen in die Unendlichkeit sei (Gänsehaut als acherontisches Frösteln ■)•Der Künstler hat sich ebenso fernzuhalten von tatfremden Urgrundschwar-mern, die „für den Gott den Götzen, für den Geist das Gespenst, für deSeher die Hexe setzen", wie von der Herrschaft der Massen, in denen diTat des einzelnen fruchtlos wird: „Wohl sind Zeiten und Gelegenheit^denkbar, wo auch der Künstler es für nötig hält das Schwert des Kamp tezu ergreifen: über all diesen Welten-, Staats- und Gesellschaftsumwälzun-gen steht er aber als Bewahrer des ewigen Feuers".
Wie George selbst in seinem neuen Werke, von dem auch die siebenFolge wieder eine Anzahl Gedichte aufgenommen hatte, dieses Amt efüllte, wie er aus den Erprobungen dieser Jahre strahlender aufstieg u °ihm an der schlimmsten Wende des Weges auch die letzte rettende Gnagewährt wurde, werden wir im nächsten Buche erzählen. Doch wollen w"vorher noch die zahlreichen zusammenfassenden Arbeiten und EinzelaUgaben der Blätter für die Kunst in dem behandelten Zeitabschnitt betracten, wobei wir das Jahr 1905 mit einbeziehen, in dem einiges veröffenth cwurde, was schon vorher abgeschlossen war.
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