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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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nische und Christliche Lehre den kalten Himmel der Unsterblichkeitwölbte und kein Logos die unzähligen starren Systeme des letzten Jahr-tausends aufgerichtet hatte. Von dieser Sicht aus wurde mit den Ein'richtungen auch der Sitte dieser Jahrtausende das Urteil gesprochen, diegeschlechtlichen Freiheitsstrebungen der Romantik, des Liberalismus, derFrauenbewegung und der eben damals einsetzenden Jugendbewegungwurden weit überstiegen und vor allem das Vaterrecht der Ehe verwor-fen: es gab eine Aphroditische Zeit so wußten die Bachofenkennerin der die Ehe Frevel gegen die Urmutter Erde war, Amazonentum undDemeterkult, schon Abschwächungen des Ursprünglichen, enthielten nochSpuren davon, in der dionysischen Religion unterdem phallischen Herrndes üppigen Naturlebens" blühte der Aphroditismus in gewandelter Formnoch einmal auf, um dann endgültig dem übersinnlichen Licht Apollonszu erliegen. Erklärte man also die urmütterliche Zeit als die lebendigste undwirklichste, so mußte man auch das hetärische Dasein bejahen und die müt-terliche Hetäre preisen, das Weib das sich allen preisgibt und zugleichaußerhalb jeder Eheform Mutter wird und werden will. DieKosmiker warenso echte Gläubige der Allvermischung, daß sie vor dieser letzten Folge-richtigkeit auch Schwester und Geliebte mit einer leichten Einschrän-kung männlicher Tyrannis im letzteren Falle in einer so vollkommenenLebenshaltung bestärkten. Da der Leib die Seele ist, so waren dieseäußeren Folgerungen für die Kosmiker nur Zeichen für die Echtheit ihresGlaubens. Zugleich erhellt daraus deutlicher, daß sie den Eros nur vonder empfangenden Weibseite, aus der erdmütterlichen Sicht erfassenkonnten und daß die Befreiung der Triebe aus der hemmenden Geistfesse»für sie gleichbedeutend war mit der Aufglutung der Seele. Ein WortSchulers beleuchtet wie ein Blitz die weibliche Verfassung der Kosmik :Als nämlich der Meister ihn auf seine ablehnende Haltung gegen dieKunst befragte, was er denn wolle, wenn schon keine Kunst, antwortetejener:Ich möchte leben, fast hätte ich gesagt gelebt werden !"

Wie in jedem Genius war in der meisterlichen Natur auch die empfäng-liche Hälfte, die im kosmischen Sinne weibliche Wesenheit der Liebe, inihrer ganzen Fülle vorhanden, auch er stand auf der Seite des Rausches undder Begnadung gegen den intellektuellen Hochmut der Zeit, der Festlich-keit des Lebens gegen die Schätzung der Arbeit um jeden Preis, der freienEntfaltung der triebhaften Kräfte gegen die rationale Verknöcherung un-serer Bildung und Lebensführung.Selten", so hatte Klages sein Buchüber ihn begonnenerhebt sich zur Bewußtheit, was den geistlos weben-den Mächten alles Wachstums verwandt ist. Geschieht es dennoch, so zer-rinnt vor einem Blicke Ziel und Willkür und nichts bleibt als bauendes

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