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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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schleppen. Es müssen Naturen solcher Art in einem Volke leben, wennüberhaupt noch Säfte der Fruchtbarkeit in seinem dunklen Samenschlummern, sie wachsen meist dumpf und ungewußt und werden zu'weilen als ein Tierhaft-Leidenschaftliches im Fest- oder Kampfrauschsichtbar. Damals in München traten sie einmal kurz in einer Gemein'schaft geistiger Menschen in die Helle des Bewußtseins und zeigten da-mit den Untergang der alten Geistigkeit und die Wende des Zeitaltersan. George befand sich nach der Vollendung des TEPPICHS in derschlimmsten jener heftigen Krisen, die ihn meist nach dem Abschlußeines Werkes trafen. Vor der öden scheinbar unwandelbarstarren Wirk'lichkeit seines Volkes ließ er sich von der wilden Hoffnung der Gefähr-ten tragen und hat eine Weile mit ihnen im Glauben gelebt, die neu«Welt ließe sich unmittelbar durch beschwörenden Zauber ins Dasein r u *fen. Es war ein bestrickender Gedanke der Kosmiker, daß die Rückkehrzur Urheimat der Seele zugleich die Umkehr ja den Umsturz der be-stehenden Weltordnung von innen her bedeute. Kehrte die Seele zu ihremursprünglichen Selbst, zu ihrer ersten Jugend zurück, in der der all"geborene Eros ihr einziger Herrscher war, drang sie indie Höhle derToten, die noch nicht geboren sind" und riß sie mit hinauf in ihre Wieder-geburt, so mußte der schöpferische Augenblick, in dem ihr früheres D a "sein gegenwärtig wurde, ohne willentliches Handeln die Angel der Ze» 4umdrehen und die andere Wirklichkeit, das mütterliche Reich erscheinenlassen.

Denn es gab eine Zeit, wie Klages im Verfolg eines Georgischen Wor-tes über das Alter des Sinnbilds ausführte,wo Visionen ohne D a 'zwischenkunft der Willkür sichtbar wurden. Sie wuchsen durch denMenschen hindurch oder sie wölkten im Dampf magischer Formeln. Wa san Trümmern aus Sagengeschlechtern der Nacht hinüberdrang in dasAlter der Sonnenherrschaft, ist von so dunklen Schauern umflossen, daßwir den Abgrund der Jahrtausende fühlen, der unerbittlich wachsend unstrennt von schwarzer Scholle und nacktem Muschelstrand. Schon dasAltertum im Glanz seiner Mittagsschönheit sah die Erinnerungen der Ur-zeit durch einen Schleier von Ehrfurcht und Grausen. Gleich fernab-klingenden Donnerwolken versank am Saum seiner gelichteten Himm edas Verhängnis aber hinter den rächenden Göttinnen schlössensich für immer die Tore der mütterlichen Unterwelt. Seitdem ist Not un"Arbeit bei den Menschen eingekehrt, Wahnsinn der Entzückung beig e "mischt und wunde Sehnsucht schaffendem Überschwang. Nicht traurn-wandlerisch bannen wir urbildliches Leben mehr. Schlafloser Wille stell*in Stein und Wort ihm nach und zittert in Dankbarkeit, wenn nur ein262