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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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letzter Untergang? Oder wird umgekehrt das intuitiv bildnerische Gemütsich wiederum des Gesamtlebens bemächtigen?" Er beginnt den zweitenmit dem vernichtenden Urteil über die Deutschen:Welches Volk wäregeneigter Goethe mißzuverstehen als die Deutschen! Denn diesem Volkegebricht es an einer Grundvoraussetzung nicht nur der Kunst, sondern zurGanzheit des Lebens überhaupt: an vollerwachter Sensualität-Wenn es im Leben der realen Leidenschaften an Gewißheit fehlt, dann darfman sie noch weniger in den Idealen vermuten. Wo sich der Deutsche z ukunstähnlichen Gestaltungen erhebt, da gefällt ihm: vieldeutige Ver-worrenheit der Bilder, schweifende Dunkelheit des Stils, Mangel an Klar-heit und Plastik des Wollens kurz jede Art von Verachtung der Form-Sich wolkenwandlerisch im Unmöglichen ergehen, über allem Tasten undSuchen das Leben zu versäumen; zu schwach, die Erde zu besitzen, dochwenigstens mit großen Worten zu prahlen und jede Barbarei erdulden, in-dem die Seele sich mit blauem Dunst umhüllt das ist der Sinn jenestraurigen .Idealismus', um dessentwillen bösartiger aber gerechter Spottdiese Nation das Volk der .Dichter und Denker' nannte. Und für diesenMangel an lebensgestaltenden Kräften ward dem Deutschen Ersatz: erist eigensinniger Grundsatzmensch, Gesinnungsdogmatiker, Berufsvirtu-ose und Verstandesclown. Seine Unsicherheit im Triebleben möchte erverheimlichen durch seine .Wissenschaft'. Hinter seiner allzu gern z urSchau gestellten Denkschärfe und Wortpeinlichkeit versteckt sich das un-beholfene Zaudern blindgeborener und strauchelnder Instinkte. Einersolchen Gemütslage gilt im Leben wie in der Dichtung als der Maßstabhöheren Wertes die physiognomielose Ernstlichkeit drohender Sitten-strenge. Schillers Ruhm gründet sich auf diese deutsche Vorliebe. VorGoethes in sich beschlossener pflanzenhaft notwendiger Größe verharrt siein ewig verwunderter oder widerwilliger Dumpfheit".

Der in diesen Ausführungen schon so schroffe Gegensatz zwischen 1°'stinkt und Verstand, zwischen triebhaftem künstlerischem Schaffen undwissenschaftlichem Erkennen verwandelte sich unter dem Einfluß Bach-ofens in den metaphysischen von Seele und Geist und zwar der Seele alsdes lebengebundenen, des Geistes als des lebenhemmenden, ja lebenzersto-renden Prinzips. Man weiß, daß der Gegensatz in dieser Form eine völlig eUmkehrung der Sicht Bachofens ist und Klages daher eine Unterscheidungzwischen Herz- und Kopfgedanken Bachofens vornehmen mußte. Er wür'digte den Geist, das Apollinische Licht, zu einer Gegenmacht des Lebensherab und verstand unter ihm nur noch den zerlegenden oder mechanisie-renden Verstand und zwecksetzenden Willen. Dies geschah schon in seinenersten öffentlichen Schriften über George in der ZeitschriftDer Lotse'

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