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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Seele des Dichters. Nur zögernd verlassen wir dies Rätseldickicht undversagen uns Aufschluß zu geben, warum der Charakter des Unheimlichen

und Düstern zum Echtheitszeichen solcher Visionen gehört.-------Hier

in dem Gedicht ,Graue Rosse muß ich schirren,' geschieht es zum drittenund stärksten Mal, daß die lyrische Schranke dem inneren Pochen weicht-Von furchtbarem Strome erfaßt treibt Algabal in barbarische Vorzeit zu-rück. Aus Blutsignalen raucht uns in greller Traumdeutlichkeit ein thra-kisches Bild heroisch-kosmischer Zermalmungen. Gleich Dämonisches ha*George nicht zum zweiten gedichtet. Erzdonner aus der Nacht des UranoSdröhnt uns aus diesen Strofen und Taumelschrei eiserner und kupfern^Zeitalter".

Auch trotz ihrer versteckten Einschränkungen machen uns diese Wortedeutlich, was den widerspenstigen Geist des nördlichen Weifen zu deinrheinischen Waibling gezwungen hatte: er sah in ihm auch sein Elementaus der Abgrundtiefe groß und ungebrochen ins Licht der Sprache steigen-Was in ihm selber schlief wurde aufgeweckt und die Sturmnächte ältesterGeschlechter rangen nun auch in seinen Strofen aus dem Dunkel des Ver-gessens in den Tag der angeschauten sprachlichen Leibhaftigkeit: dennnur was im Gedichte Form gewinnt, bleibt uns gewonnen. Die bleiern«Decke über tausendjährigen stummen Bauerngedanken und HirtenschreK-ken wird einen Augenblick lang gelüftet und entläßt die Bilder des Ge-wesenen wieder ins Blühwerk oberer Erde: aus dem Düster aufblitzendeGesten, Zwielicht dunkler Stuben und einsame Heidezüge. Vandalisch eWeite und Wikingermeer umgeben seine Menschen, auch wo der sanftereHauch gegenwärtiger Gezeiten ihn anrührt, bleiben Luft und Landscha*südenlos, fast lieblos. Kaum gibt es sonst so weite Gegensätze deutschenNaturempfindens wie in den gleichnamigen GedichtenVorfrühling" vo flKlages und Hofmannsthal: ein zartes beinah zierliches Klingen bei demWiener, ein herbes beinah kaltes Pochen bei dem Niedersachsen, dem d> eheißere Luft den Traum verschlug.

In dem Mangel an südlicher Helle und Dichte lag bei Klages wie beif 1Niederdeutschen überhaupt die Gefahr der Vereinzelung oder Verflüch-tigung, einer machtlosen Mystik oder vernünftelnden Gesetzlichkeit. &ist beiden nacheinander unterlegen: zuerst demUmgetriebenwerden deschweifenden Seele von Weite zu Weite", dann der trocknen Sucht, daLeben in Begriffsgespinsten zu fassen. Da er die Mitte verließ, kreist eheute um den Kenotaph einer leib- und seelenlosen Erkenntnis.

In der persönlichen Lebensgemeinschaft war dieses mitteflüchtige Str e 'ben von früh an bemerkbar. Etwas in seinem protestierenden Ich wid eI "sprach durch alle Jahre des gemeinsamen Weges der befreienden Hingab'252