Ja über dem dichterischen Genius zu lösen. Bei diesem lichtlosen nor-dischen Alben, der das Gestaltige wohl erkannte aber nicht bilden konnte,die freie Leiblichkeit wohl suchte, aber nicht besaß, mußte die dichterischeTätigkeit notwendig gering bleiben und je mehr in der Übung und Wer-tung sinken, je stärker eine seiner Teilkräfte aufschoß. Was am Beginnseines dichterischen Jahrzehnts in ihm Laut und Bild wurde, drang ause iner unserem Schrifttum fast unbekannten Lage der stummen Erinne-ru ngen: aus dem nur im Bauerntum nördlicher Ebenen bewahrten Grauenv °r den Gewalten der Nacht und der Tiefe, vor den Schlachtplanen derWanderzeit und den Schrecken alter Totenfelder. Aus der Seele Georgesw aren diese unheimlichen Töne zum ersten Male aufgerauscht. In denschon erwähnten Gedichten der PILGERFAHRTEN und des ALGABAL^ar er bis zu den Schicksalsgründen hinabgestiegen, deren Schauer sonstnur in unseren ältesten Heldenliedern und Märchenresten verfangen ist,ütl d Klages selbst, der solche Gedichte vor allem liebte, hat uns von derErschütterung Kunde gegeben, die ihn bei der Berührung mit ihnen traf:"Hier lebt die Landschaft nicht kraft ihres Zusammenklanges mit denchwingungen der Seele, nicht als goldender Strahlensaum inneren Er-«^ühens, sondern sie selbst ist das Bild, das mit subanimalischen Kräftenen Beschauer bannt. Die Heidewillruhen und formt im dumpfenc hweigen ihrer Tauwetterahnung den Gaukelzug der im See ertrinken-en Kinder. Zartfühlender Betrachter wird auch am Strofenbau erhor-c " e n, daß ein fremdes Element den Dichter einhüllt und zum Epiker um-gezwungen hat. — Es drängt sich die Frage auf, was es denn sei, das hier,c h einer so festgestellten Bildnerkraft bedient und auf erborgtem Wegeetl noch mit zwangloser Sicherheit in die Erscheinung tritt. Wer immeretn Glauben an die Eigenmächtigkeit des Schaffenden zugetan ist, stehter vor etwas Unfaßlichem. Uns jedoch vermöchte nur das zu erstaunen,13 der Dichter auch bei so fremdem Andrang doch nicht die reif sonderndea hung seiner Geistigkeit verliert. Das kleinere Rätsel wird uns erspart,** ein größeres tritt an die Stelle. (Wir schalten ein: Klages möge zur Lö-J* n g dieser größeren Rätsel einige Male die oben [3. Kap.] angeführten°rte Hölderlins über die Nüchternheit in der Begeisterung lesen!) Inle setn Gedicht — und ähnlich jedesmal in den verwandten — hat Georgeen mit Überlieferung gespeisten Boden verlassen. Er hat ein Land be-rete n, auf dem noch keine Kulturschicht seßhafter Menschheit abgelagertUrde — denn die Hünengräber und Steinhäuser der Heide sind dunkleal e schweifender Völker. Die dem Geräusch der Marmorböden und be-»ester Pfade geneigte Sohle berührt zum erstenmal die nackte Erde: wiel ge Wolkenschatten läuft ein Schauern unerweckter Vorwelt über die
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