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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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dieses Werk auf ihn ausübte. Bei ihnen war der Eindruck der gleich«obwohl der Zugang zu dem Werke bei allen dreien verschieden war.

Nachdem heute schon eine Anzahl größerer und kleinerer Arbeiten überJohann Jakob Bachofen erschienen sind, können wir die Kenntnis seinesWerkes voraussetzen, das in dem Gedanken der Muttergebundenheit alle 8gewachsenen Lebens gipfelt und aus den religiösen Mythen und Symbolender alten Welt vor allem des Totenkultes eine bis dahin verlorene innereGeschichte der Menschheit, den Kampf der Geschlechter um die Lebens-herrschaft im frühen Mittelmeerräume erschloß. Ob seine Einzelergebnissefür die Wissenschaft haltbar sind, bekümmert uns an dieser Stelle nicht-Hier sprach ein Begeisterter in priesterlichen Worten und zugleich einGelehrter von allumfassender Sachkenntnis von einem nur in Sagen un»Sinnbildern der Natur niedergelegten mutterrechtlichen Lebenszustanounserer europäischen Menschheit von urmächtiger Gewalt. Er durchsetztenach Bachofens Meinung trotz des siegreichen Vaterrechts ApollinischerHerkunft und Herrschaft doch alle Götterkulte der antiken Völker ja denganzen Kreislauf ihrer Feiern und Feste, er kam in den Mysterien eben-sogut wie in den Kampfspielen zur Erscheinung und verhielt sich zumhellen Tag des apollinischen Lichtes wie die dunkle Nacht des diony-sischen Totengottes, zum herrscherlich bauenden Geist wie die stummelebenbewahrende Seele, zum zeugenden Manne wie die Mutter, des SohnesGebärerin. Über den so gegründeten Kosmos der antiken Völker hinaussah Bachofen freilich eine noch ältere Menschheitsschicht, wo eine reinmutterrechtliche Ordnung herrschte und noch darunter eine Schicht derungeregelten Geschlechterverhältnisse des Hetärismus, des rein stofflichenSeins der Sumpfzeugung unter der Allgewalt des Eros, in dem wie I*allen Zeiten schrankenloser Triebmischung das Weib ordnungsl° sherrschte. Es ist bezeichnend für die Zeitlage für die letzte roman-tisch-christliche Weibschätzung und die beginnende Zersetzung & echristlichen Ordnung auch im Geschlechtsbereich, daß Bachofen he 1aller Lauterkeit seines geschlechtlichen Denkens und Fühlens doch dieseunterste Stufe des chaotischen Sumpflebens mit allen glühenden Farbender Entdeckerfreude geschildert hat. Aber die zwischen 1859 un< ^ :erschienenen Schriften Bachofens fanden so wenig wie die Nietzscheseine lebendige Anteilnahme der Zeitgenossen. Das unterirdische Pochendieser Leben als symbolischen Ausdruck eines geistigen Geschehens mEuropa verstand man nicht. Erst als der Dichter die neue geistige Kuns*und das Schöne Leben in großen Werken verkündet hatte, wurden auchdie früheren deutschen Träume, welche auf eine Wandlung unseresMenschtums deuteten, wieder ernst genommen und wir bezeichneten242