Zonenlinie Deutschlands geboren, vom gleichen Tatwillen, von der glei-chen Unbedingtheit der Hingabe an geistiges Wirken, vom gleichen rück-sichtslosen Einsatz alles persönlichen Glücksverlangens, von der gleichenstolzen Verachtung gegen alle Verflachung in Kirche und Staat, Volk undGesellschaft erfüllt und jeder von der Gewißheit getragen auf dem Feldeseines Könnens als Erneuerer zu siegen — so traten die beiden Männereinander gegenüber und ihre Gemeinsamkeit, nie durch einen Hauch desUnmuts getrübt, mußte zugleich ein Kampf um das höhere Recht, um dieUnberufene Entscheidung des Schicksals sein, wessen Fahne steigen unddessen Fahne sinken sollte. George war zunächst trotz aller Weite undWeltgewandtheit gegen den Verschwiegenen, in einsamster Zucht Geprüf-ten . Schritt und Wort berechnenden Späher der Gefährdete, fast Unbe-bahrte, der nichts gedanklich zu umhüllen gewohnt war, wenn der erregteAugenblick seinen leidenschaftlichen Anteil aufrief. Derleth verriet sichnj e in seinen Zwecken, er leitete seine kargen Sätze meist mit einem „Ich^urde sagen" ein, in dem er das zu Sagende scheinbar schon entwirk-
lc hte, aber zugleich bis in die letzte vermutete oder vorhandene Schwächeaes Partners vorstieß. Jedes Gespräch Georges mit ihm, so kurz es war,r uhxte an ein Äußerstes zweier Welten und spannte zwischen den beidenMännern die letzte Kraftfiber an. Gegen die Gefahr der Bloßlegung seinerSe tt>st, zu der ihn Derleth wissentlich oder unwissentlich drängte, sicherteSl ch George anfangs nur aus Triebgefühl und gewann erst allmählich anu^sem und den anderen Gefährten in München die Überschau über die^ e iahrlagen des geistig handelnden Mannes.In der sechsten Folge der Blätter erschien Derleth zuerst mit einer
r °se „Vom Wissen und Wege", die in fünf Stücken das große Kräfte-s Piel de S Alleinen, Ausstrom und Rückstrom der ewigen Bewegung in dieevv ige Stille, die bindende Kraft der Liebe zwischen den Anderheiten, denWe g der Gestalten und der göttlichen Erinnerung des Seins und Wer-
en s darstellt. In der Sprachführung ist hier und da ein Ton von Nietzsche
Pürbar, aber sie geht tiefer ins deutsche Erbe bis zu unsern mystischen^°ttesschauern des Mittelalters zurück, eine Prose von weiter Gedanken-spanne und kühner Bildlichkeit. Ihr folgten bald die Gedichte.
So schlössen sich neue Menschen und Kräfte immer voller und dichterl n der Gemeinschaft der Blätter zusammen und mit dem Erwähnten istnur ein Teil dessen betrachtet, was in den beiden Folgen an schönen Er-
eu gnissen sichtbar wurde. Von George brachten sie außer dem „Weihe-
P le l" und den Verwey-Ubertragungen auch neue Baudelaire-Ubersetzun-& e n, die ersten Stücke seiner Dante-Übertragung und die ersten Gedichte
l nes Tones, der eine Erschütterung über alles bisher Erlebte ankün-
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