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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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folgend und ihm dienend, sein Ohr mit dem er drunten hören ging .. er derstrengste Forderer an sich selbst, der ohne Unmut alle äußeren Beschrän-kungen ertrug, aber unnachgiebig und ohne Milde im geistigen Urteil, siedie harte Keusche mit der sicheren Überschau über ihr Geschlecht, allesStreben nach Losgebundenheit und Gleichberechtigung verhöhnend ausdem Wissen um das höhere Gesetz der Frau, die nur durch Opfer siegenkann so lebten die Geschwister und suchten, in Erwartung größererAufgaben, der Kirche durch die kleineren Hilfen der Zurückführung ver-irrter Lämmer zu dienen.

Aber die großen Aufgaben blieben aus: die Kirche stellte sie ihm nichtund hätte ihm nursolch ein Amt zu leihen vermocht das tausend andereebensogut ausfüllen könnten". Derleth stellte sich dem Collegium Germa-nicum in Rom zur Verfügung, aber die Jesuiten wollten diesenUltra'nicht haben, weil es ihm an der nötigen Demut fehle, sie brauchtenver-nünftige Leute", und kein Blick sagte ihnen, daß sich hier der letzte großeRedner und Dichter der Kirche anbot. In seinem Drang zu wirken, dachteer daran, in einem Wallfahrtsort in der Rhön vor den großen Prozessionenzu reden oder wie wir noch sehen werden, durch gewaltige Anrufe dieganze Christenheit in Flammen zu setzen und zu neuen Glaubenstaten z uerwecken.

Sein feuriger Geist suchte nach Mitteln das Unangreifbar-Zerfließendedes Zeitkörpers anzugreifen und sein Späherblick hatte bald in Georgeeine Kraft erkannt, die solche Mittel zu besitzen schien. Aber er schauteihm lange erwägend zu, beobachtete ihn in der Mitte der neunziger Jahreselbst in Paris unter seinen Freunden, ohne sich ihm zu nähern. Die bei-den streiften sich zuerst in einem Boulevardcafe dieser Stadt, die Derlethals Wiege des Napoleonischen Ruhmes und als Wiege des Jesuitenordensbesonders ehrte. Mit Schuler hatte ihn eine frühe aber bald zerstörteFreundschaft verbunden, er suchte ihn wieder auf, als er dessen häufige 11Umgang mit George bemerkte und wollte so in nähere Beziehung mit die-sem kommen. Dann aber verfeindeten sich die beiden abermals aus geisti-gen Gründen bis zum bittersten Haß: die Erzkatholiken waren sich i 01Wesen zu nah, in der Haltung zu fern, Schuler zu heidnisch, Derleth z udogmatisch. Daß sie ihre großen Kräfte kannten und sich doch gegen-seitig weder nutzen noch schaden konnten, trennte den katholischenRömer und den heidnischen Römer für immer, nie durfte der Name deseinen vor dem anderen genannt werden, und so kam Derleth auch nachder Bekanntschaft mit George nie in die Runde bei Wolfskehl, sondernhielt sich wie vorher abseits und trat nur mit einzelnen in persönlichenVerkehr. George und Derleth, fast gleichaltrig, fast auf der gleichen

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