fältige Prägung des Blankverses zeigt die ungebrochene Weiterführungder formalen Überlieferung an, und die „Nähe der Wirklichkeit" drücktsich nur in einigen Gleichnissen und Bildern der unmittelbaren alltäglichenUmgebung aus. Aber auch diese Einbeziehung der Dinge des Gebrauchs,fast möchte man sagen des Hausrats, in den Bereich der dichterischen BÜ'der stammt mehr aus einer Eigentümlichkeit der niederländischen Seh-weise, die wir aus unseren niederdeutschen Dialektdichtern bis zur Über-treibung kennen: nämlich der liebenden Erfassung des Kleinen, des Heim-lichen, Häuslichen und einer scharf umrissenen Sachbezeichnung, welchedie Gegenstände wie bei den großen holländischen Malern in ihrer ganzenstofflichen Nüchternheit erscheinen lassen. Aber wie bei diesen das Lichtdie inneren Räume durchflutet und alles farbig verzaubert, ohne den Din-gen ihre Stofflichkeit zu nehmen, so stehen auch bei Verwey alle Bilder undGleichnisse in einem inneren Leuchten, das alles Gewohnte, Gewöhnlichein eine höhere Wirklichkeit, alles Alltägliche in einen schöneren Sonnen-tag hebt. Die Dinge der Welt sind der eine, das Leuchten seines innerenSelbst der andere Pol seiner Dichterkraft. Dies blieb im Wesen das gleicheauch als er mit George zusammengetroffen war: nur die Luft um die Dingeund die Sprache der Seele wandelte sich in dem gemeinsamen Suchen nachKraft und Schönheit mit dem Freund der „von Süden kam, wo jeder Satzaus süßem Geläut und klaren Linien stieg und dem noch der Chorhall deut-scher Kathedralen und der Sturm von Wäldern im Ohre hing", wie es i fleinem seiner Widmungsgedichte heißt. Daß die Holländer und auch Verweys nächste Menschen noch immer seine frühen Gedichte am meisten hben und fast eine Art Grauen vor der strengeren Formung der späteren nacder Berührung mit George entstandenen haben, kennzeichnet vielleicht abesten die tiefe Wandlung, welche diese Berührung in ihm hervorrief. & 1neuer Ton klang nach dieser Wandlung Verweys auf, der so vorher in H°land nicht hörbar war und den die Holländer noch heute nicht ganz gemßen. Denn schon durch dieses von der Allgemeinheit unterschiedenSchwingen erhob sich die Dichterseele über die eingeborene Gemütlichkeseiner Landsgenossen und verletzte die Gleichheit durch eine adlig sich sodernde Erhebung über das Bürgerlich-Allgemeine. So offenbarte sich in deBetrachtungen um die Jahrhundertwende die alte Polarität unter einehöheren Gesetz, nachdem sie in den beiden Werken „Der Neue Garten(1897) und „Der Brennende Dornbusch" (1899), aus denen die meisteÜbertragungen stammen, ihre höchste dichterische Gestaltung gewönnehatte. Von einem südlicheren Strahl geküßt, deutsche Städte und Dom 'deutsche Ströme und Künstler preisend ist Verwey dennoch in ihnen g ader Dichter unserer germanischen Tiefebene: unvergleichlich in der Fäh»*
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