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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Hilfe hinfällig. Er wollte der Künstler sein, der außer der bürgerlichen Ge-sellschaft steht und sie darum verachten darf, ja der sich etwas zu ver-geben glaubte, wenn er im geistigen Bereich für Geld eine andere als frei-willige Arbeit leisten sollte: Die Bürger sollten warten bis ihm die Götterseine Stunde schickten.

Eben dieser aber war in Einem unerbittlich streng, peinlich, sauber,arbeitsam und von unermüdlicher Ausdauer: nämlich im dichterischenHandwerk. Seine ersten wie seine letzten Gedichte sind im ganzen Auf-bau von der größten Sorgfalt und in jeder kleinsten Mache von gewissen-hafter Feilung. Er war in Geste und Gedicht der echtePoeta": mit demSinn für höchste Verantwortung in Dingen der Bild- und Klangfolge, desSchrittmaßes und Tonfalles, der Lautreinheit und Silbengleitung. Er tatsein Tagwerk sonder Haß noch Liebe, zu keinem fruchtbaren Tun befähig 4als die Kunstübung mit Könnerschaft und Feinheit zu betreiben: guteund sehr formale Gedichte zu machen, wie man sie damals und bis heutenoch in ähnlicher Ausgeglichenheit vergeblich sucht. Für George wardiese sonst in solcher Reinheit nicht vorhandene Grundart des Poeten sehrwillkommen, er suchte den unbekümmerten Kämpen in seinen einsamstenWinkeln immer wieder, ging jahrelang gern bei ihm aus und ein und seineunbürgerliche Haltung war ihm eher genehm, solange sie die hohe Ver-antwortung vor dem einen geistigen Gesetz, solange sie die Strenge desDichtertums nicht störte. Die Gefahr für Treuge auf diesem eigenstenFelde wurde erst später sichtbar. Seine Gedichte in der fünften und sech-sten Folge aber sind von höchster dichterischer Zucht: wenn sie im Ge-halt an ALGABAL und DIE HÄNGENDEN GÄRTEN anklingen, so erinnernsie im Bau an die Verskunst von Horaz, der in Treuge auch seinen bestenÜbersetzer gefunden hat. Es wiederholt sich hier ein Vorgang, den wir i°der Dichtungsgeschichte bei Johann Heinrich Voß schon kennen: Wennder Norddeutsche von einer südlich-strengen Form ergriffen wird, ist ergeneigt, diese Form in sich zur höchsten Ausbildung zu treiben und ererreicht dadurch eine wundervolle Schmeidigung des sprachlichen Mittels-Wenn die Durchglutung der Bilder auch nicht groß genug ist um uns ga° zzu erwärmen, erfreuen wir uns bei Treuge immer wieder an dem Wunder-werk der Arabesken, an dem niemals stockenden Fluß der ornamentalenKlangbänder und überlassen uns gern der zaubervollen Musik, die unsselbst in Blumen und Gärten umdeutet und noch entzückt, wenn derGeist schon entglitten ist. Es ist reine Oberfläche im guten Sinne: auf denmalerisch-flächenhaften Gebilden erscheinen mehr die Linien der sauberenKunstübung selber als körperhafte Gesichte. Ja es ist uns, als ob oft dieTiefenwirkung absichtlich um der höchsten Vollendung der Mache wiU en

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