Jahrhundert lang die Samen des Mainfranken flogen und keimten. Wirbegreifen an dieser Erinnerung, wie viel gesichert war, als nun, bevor dieStürze einer untergehenden Welt das Werk begraben konnten, der Rhein-franke kam und nach kurzen Sucherfahrten seiner Jugend sicher den Raumseines Wirkens zwischen Westen und Osten absteckte und München zummittelsten Ort erwählte. In den Grenzen von Paris, Wien und Berlinkonnte ihm keine geistige Regung von Wert entgehen, und bis in dieAußenbereiche konnte bald keine deutsche Seele mehr dichterische Luftatmen, die nicht von seinem Hauch schon durchweht war.
Schon erweckten die ausgestreuten Keime seines Werkes ihm immerne ue Jugend: nach dem lutherischen Balten den katholischen West-Preußen Lothar Treuge, der 1879 in Danzig geboren war, als Student"ach Berlin kam und dort bis zu seinem Tode blieb. Er war in vielemein Gegenspiel zu Heiseler: Dieser der reiche Adlige aus der hohen Peters-burger Plutokratie, jener ein armer Bürgersohn aus beschränkten Ver-hältnissen, beide von hoher schlanker Körpergestalt, aber der erste von2 arten geschmeidigen Gliedern, Treuge bei größerer Hagerkeit von federn-den Muskeln und eisernen Sehnen, jener von weichem gütigem, dieser vonste chendem beinah höhnischem Blick aus blaugrauen Augen. Treuges ge-le nkiger Leib konnte sich ebenso leicht in gelöster Anmut der geselligenBewegung wie in eckiger Gespanntheit der Streiterstellung geben. Sein^°Pf kam in der Grundart mit geringeren Ausmaßen dem Georges nahe: die^ u ge von nur wenigen bezeichnenden Linien zwischen den Flächen warena Usgeprägter und schärfer als Lechter sie' in seine Studie „Ritter Keusch-heit" übernahm, wo sie dem Zweck entsprechend weichere Formung haben.A Uch verloren sie früh die frische Spannkraft und durchgeistigte Feinheiter Jugend, denn dem harten Beginn seines Lebens gab Treuge selbst eineartere Folge, die zwar diesen stählernen Körper nicht brechen aber zue 'tig mit Runen und Strichen der Leidenschaften durchfurchen konnte.Jede Bindung war ihm verhaßt und noch von George ließ er sich liebern den, als jenen zu suchen. Er war Bohemien aus Hang zur Ungebunden-st und aus Trotz gegen jedes bürgerlichsatte Behagen, er erstrebte trotzbeutender Fähigkeiten weder akademische Grade noch unterwarf er sichsta atlichen Prüfungen und behielt auch in seinem freien Lehrerberuf, woer a lte Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaft unterrichtete, nie-mals lange eine feste Stellung bei. Seine Verachtung gegen das Amtlich-^nge und Bürgerlich-Dumpfe ließ ihn jeden Vorteil verlieren, den ihmei &ne Kenntnis und Freundeshilfen boten. Der Hang zum freien Dasein auchu m (j en p reis des Hungerns, eine Reizbarkeit des Stolzes, den auch derc «einbare Hinweis auf ein Ungeregeltes schon verletzte, machte jede
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