noch durch bloße Zusammenrottung gewisser Berufsklassen zu Berufs-u nd Unterhaltungszwecken entstehen, sondern einzig auf der Grundlage»einer geistigen und künstlerischen Gesellschaft, die sich verbunden fühltdurch ganz bestimmte Ablehnungen und Bejahungen, durch ein beson-deres Lebensgefühl".
Eine solche Gesellschaft, die Goethe noch überkommen und selbst unterEindämmung ja Opferung seiner dämonischen Triebkräfte mit Güte und"arte, mit werbender Anziehung und rücksichtsloser Ausschließung zu^halten gesucht hatte, mußte am Ende des Jahrhunderts in Deutsch-end erst wieder geschaffen werden. Eine neue Bildungseinheit konnte nure ntstehen, wenn der vom Dichter offenbarte Lebensrhythmus zuerst vone 'ner Gemeinde, dann von einer größeren Volksschicht angenommenw Urde. In der Gewißheit, daß diese Gemeinde sich aus dem kleinen An-langskreise stetig weiterentwickeln würde, umgrenzten die Blätter auchln den neuen Folgen einige Bereiche unseres geistigen Lebens. Sie ver-warfen mit dem Hinweis auf die Formenstrenge der frühen rheinischenGeister und vor allem Holbeins die billige Vorspiegelung als ob Form-re mheit etwas dem deutschen Geiste unangemessenes, mehr dem Südene 'genes sei: „es gibt allerdings zwei Linien des deutschen Geistes — undn Ur durch den beständigen Hinweis auf die eine kam man zum Glauben,ö aß die andre nicht bestehe: freilich nach den staatlichen und Glaubens-^rren des 16. Jahrhunderts machte sich im Deutschen eine Vorliebe gel-te nd für alles Platte, Eckige, Vernünftelnde". Gegen diese Vorliebe, diedur ch das „kunst- und kulturfeindliche System des Preußentums" nochVer stärkt worden war, forderten die Blätter eine tiefere Durchbildung deskünstlerischen Urteils, eine Wiedergewinnung der Gestalt des Dichtersü nd vor allem die Schaffung einer gesamtdeutschen Menschenart, einesUrchgeformten Typus des Deutschen über Preußen und Österreich hin-e g: „Daß der Deutsche endlich einmal eine Geste: die deutsche Gestee komme — das ist ihm wichtiger als zehn eroberte Provinzen". „DieJü gend", so schließen diese Merkworte, „die wir vor uns sehen, gestattetns den Glauben an eine nächste Zukunft mit höherer Lebensauffassung,0r nehmerer Führung und innigerem Schönheitsbedürfnis. Sollten aberS r oß e Umwälzungen und Ausbrüche entstehen, wissen wir, daß diese ganza nderer Art sein müssen als die staatlichen und wirtschaftlichen Plän-kel eien die heute die Gemüter erfüllen". Mit diesen Sätzen wurde dern gere Kunstkreis des ersten Jahrzehntes verlassen. Das bewußte Hinaus-lr ken, wie es sich in den öffentlichen Ausgaben der Bücher ankündigte,as Bewußtwerden der Verwurzelung im eignen Volke und Boden, wie es" m TEPPICH DES LEBENS und in der DEUTSCHEN DICHTUNG seinen
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