Gut einer großen Überlieferung, die Sprechkunst, vernichtet worden und„man gewöhnte sich" wie die vierte Folge am Ende des Jahrhundertsschrieb „Rhythmen zu sprechen gleichsam um Entschuldigung bittendund verlor damit jeden festen Grund: das Schauspiel wurde ersetzt durchdie Vorführung körperlicher oder geistiger Gliederfertigkeit des einzelnen-Mag man auch die Anstrengung und Eigenart mancher Brettergröße be-wundern, keine hat eine ernstliche Neuerung gewagt und vor allem scheintuns keine geschickt zur Hersagung der neuen klanglichen Gebilde. Bedeut-same Zeichen des Rückzuges sind sichtbar geworden — — und all evornehmen und verfeinerten Geister sprechen vom Theater wie von einemschlechten Ort" (IV, 5).
Die Künstler der Blättergemeinschaft hielten sich daher vom Theaterfern und beschränkten sich darauf in größeren Wohnräumen wie bei Lep-sius in Berlin und Wolfskehl in München eine Reihe von Vorlesungen undkleine Aufführungen mit möglichst einfachen Gegenüberstellungen abzu-halten, bei denen alle berufsmäßigen Darsteller ausgeschlossen wurdenund nur die Dichter und bildenden Künstler selbst Vortrag Bewegungund Anordnung bestimmten. „Die Abrichtung der Stimme zum Hersagender neuen rhythmischen Gebilde, das Hervortreten der Körperlichkeit ineinem schönen Licht, das Beschränken der Bewegungen als strenge Beglei'ter des Wortes" — so lauteten die knappen Leitregeln. Alles übrige er-hoffte man von einem langsamem allmählichen Reifen der Kräfte durchdas Zusammenwirken im Kreise: „Strenge Überlegung, kalte Schlicht-heit, selbst absichtlich bis an die Grenze hinab, das kann allein helfen. •
Nur Hofmannsthal erwartete noch etwas wie von der öffentlichen Presseso auch von der öffentlichen Bühne. Er ließ im März 1899 auf einem Ber-liner Theater seine beiden Stücke „Die Hochzeit der Sobeide" und „DerAbenteurer und die Sängerin" von Schauspielern, denen das Sprechen vonVersen gänzlich unmöglich war, aufführen mit dem Erfolg, daß ihm dieKunstrichter einige höhnische Freundlichkeiten über seine „dünnen lang'weiligen Spielchen" sagten, „deren Feinheit und erklügelte Beleuchtungman in der Hetzjagd des Theaterbetriebes nicht genießen könne" (D' eZukunft März 1899). Um dem Gefährten nicht noch schlimmeres über dieHandhabung der dichterischen Sprache durch die Schauspieler sagen z umüssen, wich George nach der Aufführung einem Zusammentreffen n" 4Hofmannsthal aus, den er kurz zuvor noch einmal gesprochen hatte.
Aber in den ersten Merksprüchen zur fünften Folge ließen die Blätterkeinen Zweifel darüber, daß sie die Entstehung des Dramas auf einem an-deren Boden erhofften, als dem der modernen Bühne. Nach ihrer Meinungkonnten Kunstschöpfungen wie das Drama weder durch starke einzelne
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