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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Mittel, um die Welt aus den Formen der Wirklichkeit zu befreien, nurals Zeichen um ihren geheimen Sinn, das stetige Fließen und Entfließenin der Liebeseinheit, zu enträtseln. Von diesem Spiel und Spiegeln hatseine Sprache den prismatisch gebrochenen Farbenglanz und die traum-haft schwankenden Tanzmaße, die Fähigkeit alles Wunderbare Geheim-nisvolle und Unzusammenhängende, alles Tiefe Dunkle und Dämmrige.alles Verschwimmmende, Unerklärliche und Plötzliche wiederzugeben, ermachte die Sprache beweglicher für den Ausdruck von Gegensätzen, bieg-samer für die Verbindung getrennter Gebiete und Stoffe, für das Grenz-spiel von Geist und Natur, Sollen und Sein, Begreifen und Fühlen.

BRENTANO hat die gleichen Elemente wie Novalis aber männlichgehaltener wo jener weiblich-verschwärmter ist und in den religiösenBildern als echter Sohn der Kirche ohne das Andringende und Überstei-gerte eines der Neukatholiken. In seinen Gedichten wird deutlicher alsbei den anderen Romantikern, daß die neue Klangfarbe aus dem Musi-kalischen stammt. Im Gegensatz zu Goethe, der bei höchster Empfäng-lichkeit für ihre Werte die Musik im dichterischen Bereich allmählich aufdie einfachste Wortbegleitung herabmindern wollte, wurde bei den R°'mantikern die äußerste Seelenschwingung gerade durch das Musikalisch-Klangliche erregt und als Dichter strebten sie danach, es in der Spracheso aufzufangen wie sie es bei den höchsten Musikern hörten. NachdemGoethe den Sprachraum gestaltet, Jean Paul den Klangrausch geöffnethatte, wurde das Ohr gerade durch die vollkommenste Ausbildung derwortlosen Musik empfindlicher und empfänglicher für alle Klangreize.Ihre Einschmelzung ins Sprachliche war für den Allvermischungs- undAlleinheitsdrang der romantischen Dichter ein lockendes Ziel. Brentanosuchtedie dunklen Wunderwellen" wie er sie in denNachklängetBeethovenscher Musik" benennt, für die Dichtung zu gewinnen und einsprachliches Tonbild wie ein musikalisches Thema so am vollkommen-sten in dem GedichtAus einem kranken Herzen" abzuwandeln.Wi ekonnte er singen und was für ein Sager ist er gewesen!" schreibt Wolf s 'kehl, der auch zuerst dieNachklänge" wieder entdeckt hat,Keines an-dern Deutschen Wort ist, in Klang und Mißklang so sehr Musik nichim Verstand der .schönen Sprache' sondern im tieferen des Tonwerts, de»musikologischen Anschlags und der symphonischen Verknüpfung unAusarbeitung der Themen". Dieses Streben nach musikalischer KomP 0 'sition, nach dem Klangzauber der Worte schloß von selbst die beschrei-bende Art der Dichtung aus und führte die Romantiker zu der sinnbü d 'liehen Darstellung, der alle Sinnenreiche unterschiedlos nur Mittel zuminneren Erleben sind.

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