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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Ur »s heute als das größte Wunder unseres Reichtums und aus dem Jahr-hundert Goethes gesehen als Aufbruch darüber hinaus in eine neue Ge-staltung des deutschen Geistes.

Die Romantiker dagegen stehen ganz innerhalb des Goethischen Baues,soweit er Dichtwerk ist, aber sie glauben nicht an seine geistigen Bilder:sie sind scheinbar bewahrender noch als er, aber indem sie zurückgreifenau f vergangene gewesene Lebenbilder, verwerfen sie die seinen und zer-sprühen Vergangenes und Gegenwärtiges in einem farbigen Untergangvon bezaubernder Kühnheit. Wo sie zu retten suchten, lösten sie dieCn ristliche Seele in tausend Brechungen und Spiegelungen auf, spieltenlr onisch in ihren Träumen und Gesichten mit allen Elementen der Innen-u nd Außenwelt, flößten Lebendiges und Totes, Geschöpfliches und Gei-tj ges, Gewächs- und Seelenhaftes ineinander bis kein Festes mehr bliebals die Schaukel zwischen den Dingen, auf der die Trunkenheit vonGräbern zu Sternen, von Täuschung zu Enttäuschung fliegt, wie am grau-a msten schon in Jean "Pauls Rede des toten Christus, daß kein Gott sei.Die romantischen Dichter haben die feinste Reizbarkeit für alle Schwin-gungen des Gefühls, für alle Abschattungen des Gedankens, für alle Zau-er des Diesseits und Jenseits. Denn noch sind die Welten da, an denenas Sprühen und Funkeln der aufblitzenden Phantasie sich bricht: ihrebe rlieferungen, Ideen, Körperschaften und Sitten, so morsch und mürble schon waren, gaben die Stofflichkeiten für diese Spiele der Laune,es Witzes, der Sehnsucht und Tollheit, der dunklen Trunkenheit undJ* r überspitzten Erhellung noch einmal her, die Seele glühte zum letzten^ a le in dieser Abenddämmerung des antik-christlichen Kosmos farbig,° ne nd, berauschend auf und bestimmte auch in ihrem Nachglühen nochle ganze abgeschwächte Gefühlsleiter der folgenden Geschlechter.Nur an dieser Weltwende war es möglich wie NOVALIS zugleichlc hter und Verneiner aller geformten Wirklichkeit, zugleich Sprach-talter und Feind aller gestaltigen Ordnungen zu sein. Für seine Dich-n g gibt es keine festen Gegebenheiten, nur grenzenlose Bewegungen,ls chung und Entmischung, Tanz und Vertauschung aller Dinge und'der. Seine Stimme wird noch getragen von der welthaltigen Luft deshristentums aber nicht mehr des lebendigen erdüberherrschenden son-rn eines romantisch wiedererweckten. Die in den Schoß des alten Chri-er »turns rückgekehrte Seele schwankt stets zwischen Gewesenem undeuersehntem und schwingt auch noch die festeste Bindung in die Will-r des Märchens hinüber. Auch der neue Goethesche Daseinsgrund derll *nlichen Natur wird aufgelöst: Geist und Leib, Leben und Tod, TagNacht sind vertauschbar geworden und dienen dem Dichter nur als

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