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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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rische in den zeitlichen Formen seiner Werke, durch die unwiderstehlich«Kraft seiner Rhythmen und Klänge, die noch jedes lebendige Herz undvor allem das der Künstler erschütterte und zum geistigen Bilden antrieb.Auch die Dichter, bei denen nach der Mitte des Jahrhunderts ein verwan-delter Weltgehalt sichtbar wird, dichten noch immer im Bann seines To-nes, in der Schwingung seiner Maße. Der Bilderzug ist bei ihnen ärmCgeworden, manches ehemals Geglaubte versunken, auch der Rest der ge»'stigen Habe schon bedroht. Das urmächtige ungeformte Leben begannunter den verbröckelnden Formen der Zeit schon spürbar zu werden undin die Künstleraugen fielen Schimmer des ewiggleichen Tages, an ihr eOhren drangen Töne der ewiggleichen Sturmflut der Nacht. Daß es inDeutschland noch Dichter und Maler gab, welche die ersten dumpfen Urlaute auffingen, war ein Zeichen noch geheimer lebendiger Kräfte in 1Volke, daß aber ihre Seelen sie ertrugen ohne zu zerbrechen, daß dt«Künstler diese Laute in Gebilde zu fassen vermochten, war die weiter-wirkende bewahrende Macht des Königs Goethe.

HÖLDERLIN, der erste von den zehnen, hätte nach der Meinung G«"orges und Wolfskehls, auch wie sie ihn damals sahen, fast mit allenGedichten aufgenommen werden müssen, doch trat die Vorliebe für ihnzurück hinter der Forderung des Gleichgewichts der Sammlung und derenAbsicht ihn im Räume Goethes zu zeigen. Auch da freilich steht er s\ 5der Eigenste im Umkreis des beherrschenden Genius und in der gefähr'lichsten Spannung zu ihm: im Dichterischen von der gleichen Unmittel-barkeit des Gefühls wie er, dabei von dem schwungvollen SphärenflugKlopstocks und von der großen geistigen Gebärde Schillers, im Verhältniszur Natur sogar unmittelbarer als die drei und von einem noch ungekannte 11Einsgefühl mit allem Urleben, im Verhältnis zur Antike tiefgründig^als alle Zeitgenossen und als erster Deutscher vom tragischen Schaue fder Hellenen ganz wissend und ganz erschüttert. Diese Ansammlungmächtiger Kräfte in einem feinfühligen Geist und das Bewußtsein nebe* 1den Großen seiner Zeit Träger einer besonderen dichterischen Sen-dung zu sein, gab seiner Sprache den Ton unheimlicher Leidenschaftund holdester Zartheit zugleich, machte sie jugendlich-herb und klang'lich-schmiegsam, rauschhafter als die Goethes und gestaltiger als di eJean Pauls. Bis diese Elemente von Rausch und Helle in George ein eneue Einung erfahren hatten, mußte Hölderlin den einen zu schwäfmerisch, den anderen zu denkerisch erscheinen, sahen die einen nur sein'Flugkraft, die anderen nur sein Zerbrechen, aber niemand den ganz e11Dichter. Aber daß er möglich war neben jenen Großen und noch Ung e 'ahntes heraufhob, an das sie nicht rührten noch rühren durften, erschein

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