Wahl der Zwölf, „daß der Garten der deutschen Verskunst nach dieserSichtung sich nicht ärmer, sondern in um so deutlicherer Pracht erweist •
KLOPSTOCK erscheint als der Vorklang des Jahrhunderts als Durch-bruch durch Schulregeln und Verstandesschranken, als Aufbruch der i°langem Schlummer gesammelten Kräfte, der an die Stelle des metrischenSchemas das aus der Erregung des Herzens, aus der Liebe zu Göttern undFreunden geborene Schrittmaß, die harte pindarische Fügung der SatZ'glieder setzte und „den Silbentanz" begann, wie Goethe von ihm sagte-Wenn er nur selten die sinnliche Welt unmittelbar zur Anschauungbrachte, mehr den Bereich der gedanklichen Erschütterung durchkreisteund alles durch das Mittel eines unendlichen Raumes und eine geistig'religiöse Zwischenluft sah, so ist doch seine herbe und phrasenlose Spracheimmer von hohem Flug, ihr Gehalt von erhabenen Gesichten und von jenefunendlichen Wallung im Göttlichen erfüllt, wie die Jugend sie liebt undwie sie tief auf so unterschiedene Geister wie Goethe, Herder und SchillC'Jean Paul und Hölderlin wirkte.
Nach diesem Vorklang, der wie schon jene Namen besagen, noch wei {in das Jahrhundert weitertönte, folgen die Dichter, welche auf den Schul-tern Goethes stehen und zugleich mit Ausnahme Schillers von dem El e 'mente berührt wurden, das in den Prose-Gedichten Jean Pauls am blühend'sten aufgeklungen war.
SCHILLER, der neben Heine mit der geringsten Zahl der Gedichte »°unserer Sammlung vertreten ist, hatte nach einigen Äußerungen Goethes„einen Überfluß und eine Exuberance der Gedanken die er nicht bändig el1konnte .." er hatte etwas von jenem unsinnlichen unfaßlichen und aufdrO'selnden Wesen der deutschen Philosophen das ihn trieb über alle Ding enachzusinnen und ihm fehlte „ein wesentliches Erfordernis der Poesie ■die Verdichtung aller gefühlsmäßigen und geistigen Kräfte ohne Denke*"Störung. Er ist von Natur Denker und Redner, seine Heimat das Geb« eder hohen Ideen, seine Kraft die wuchtige Darstellung sittlicher Gedanke 0 'Darum sind seinem strebenden Geiste nicht Leidenschaften und Handln 0 'gen als solche, seiner beschwingten Phantasie nicht sinnliche Gestalte 0und Gegebenheiten als solche wichtig sondern ihre Beziehungen zu ein esittlichen Ordnung. Aus dieser zieht er seine glühenden Erlebnisse unden Gang seiner Verse bestimmt nicht die Stimme des Blutes sondern e»zweckhafter Sinn, der überreden und überzeugen will. Er spannt ohne >°nerste Nötigung und also auch ohne letzte Einschmelzung überliefertBilder vor allem der Antike und entliehene Bilder der natürlichen oa eideellen Ordnung in dichterische Maße: mehr edle Gesinnungen als leide 0 'schaftliche Erregungen, mehr Meinungen und Vorstellungen als seelisch
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