lung des Menschenherzens im Weltgeschehen und die Widerspiegelungues Weltgeschehens im Menschenherzen, jenes Doppelspiel zwischen sinn-licher Erscheinung und seelischem Eindruck verlautbart, in dem die be-wegtere Kunst unserer Tage ihren Ursprung hat, wie auch der Schluß der»Lobrede" Georges besagt: „Wenn du höchster Goethe mit Deiner mar-mornen Hand und Deinem sicheren Schritt unserer Sprache die edelsteB auart hinterlassen hast, so hat Jean Paul der suchende der sehnende ihrgewiß die glühendsten Farben gegeben und die tiefsten Klänge".
Nachdem diesen beiden die Säulen errichtet waren, schloß der dritte
° a nd „Das Jahrhundert Goethes" die Sammlung mit den zwölf Dichtern
a °> welche um den Größten gelagert auf ihn hinweisen oder von ihm ab-
ftat *gen. Der erste von ihnen Klopstock wurde 1724 geboren und veröffent-
lc hte 1748 seine ersten Oden, der letzte von ihnen C. F. Meyer hatte seine
Ge dichtsammlung 1882 herausgegeben und starb 1897 als DAS JAHR DER
E ELE erschien. Innerhalb des Zeitraums von 1748 und 1882 durchforsch-
etl George und Wolfskehl die Werke von mehr als einem halben Hundert
e utscher Dichter. Ihre" Wahl wollte nur die Verfasser treffen, denen ein
0l * so eignete, daß er keines anderen sein könnte, denen wenigstens e i n
edicht gelungen wäre, das sie als Träger eines besonderen Rhythmus
anzeichnete. Es bedurfte mancher Prüfung mancher Überlegung um aus
er großen Menge alles auszuscheiden, was diesem Anspruch nicht ge-
u gte. Viele Dichter waren dem Ohr von Jugend auf vertraut, andere schon
Ver gessen und beide mußten überprüft werden, viele waren im Schwange,
le durch andere als künstlerische Werte berühmt und gepflegt waren und
° n nten dennoch einmal ihren Eigenton gefunden haben. So war es, um
Wenig e Beispiele anzuführen, sehr leicht die Schubart, Bodenstedt, Freilig-
at h und ähnliche, leicht die Freiheitsdichter und Uhland aber schon weni-
§er leicht die Tiedge, Tieck und Arnim, Rückert und Leuthold auszuschei-
en - Es blieben gewiß auch außer den Aufgenommenen noch manche, denen
ln gutes Lied oder eine gute Reihe von Gedichten gelungen war, aber sie
Standen nicht vor jenem strengen Gesetz der Auswahl, das nur die ur-
P r Üngliche dichterische Leistung zuließ. Deshalb spiegelte die neue Samm-
n g wenn nicht die ganze Mannigfaltigkeit so doch den wertvollsten
eichtum und die ganze Höhenlage des deutschen Geistes wieder, die das
•[ ah rhundert Goethes zur Erscheinung brachte. Von selbst wurde dadurch
le übermäßige Betonung des Bürgerlich-Erotischen vermieden, die in
a Uen lyrischen Blütenlesen üblich war, und ein Bild zurückgedrängt, das
es onders durch Heine bis zum Überdruß unser Schrifttum füllte, Jugend
le Alter mit flauen weichlichen Gefühlen fütterte und den Blick auf andere
ee lenlagen versperrte. Es wird offenbar, sagte die Vorrede zu der engen
217