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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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haupten, der sonst in der weltbürgerlichen und antikisierenden Luft vonWeimar verlorengegangen wäre. Gerade sein Beiseitestehen erhielt seinekostbare so nur ihm zugeborene Sprachglut, aber sie trieb auch die deut-scheste seiner Eigenschaften, die Eigenwilligkeit und Eigenbrödelei biszum äußersten zutage: der Edelstein wuchs auf einem Muttergestein vonkrausester und bröckeligster Art. Er wurde der Erbe der Kleinstaatswelt,der Winkelstädterei, der höfischen Intriganten und Kleintyrannen wie derengen bürgerlichen Verschrobenheit, des Gelehrtendünkels und derjugendlichen Tatenschwärmerei ohne Raum und Mann .. der deutschenJünglingsfreundschaften ohne den Hintergrund einer Polis, Kirche, Land'oder Seemacht, wie der herzbrechenden Liebschaften ohne Boden undGesetz, kurz er war die deutsche Seele mit all ihren Freiheiten vom Stern-taumel bis zum spiessigen Spleen, vom Heldentraumbild bis zur zimper-lichen Jungfer, vom Geistertanz der Welten bis zum Schnörkelwahnsinndes Sammlerkabinetts Genius und Kauz zugleich.

All dies war er und bewahrten seine Romane auf, aber das Bürgertumdes 19. Jahrhunderts, ob ihm freundlich oder feindlich gesonnen, sah nurseine schnurrigen oder weichgefühligen Seiten, weder die Tiefe und Glutseiner Seele noch die überschauende Weisheit seiner Lehren und amwenigsten die Schönheit jenerBegeisterung-Stellen" in denen er lautseinen eigenen Worten nach dem höchsten Wortklang verlangt und ring 1und nicht reden sondern singen will.

Auch George sah in seiner Jugend nur den barocken und gefühls-seligen Jean Paul und erst als er selbst in seinen frühen Werken dieklangliche und farbige Pracht unserer Sprache gewonnen und mit demJAHR DER SEELE trächtig ging, spürte er aus Jean Paul den Atem derdeutschen Landschaft, die Luft des deutschen Mittelgebirges, seine be-sondere musikalische Sprachbeschwingung, das Geheimnisvolle seinerLichtsichten, das Schweigen und Weinen der Seelen zwischen den Däm-merungen, ihr Jubeln und Klingen in den Gärten und den Rausch dernamenlosen Schauer unter den Gestirnen der Nacht. Erst vom selbst-erworbenen Reichtum aus erkannte er die Fülle gleicher oder ähnlicherSprachelemente in Jean Paul und schrieb jene in der dritten Folge d erBlätter (März 1896) veröffentlichteLobrede auf Jean Paul", die mit denWorten beginnt:Von einem Dichter will ich euch reden, einem der groß'ten und am meisten vergessenen und aus seinem reichen vor hundert Ja"'ren ersonnenen Lebenswerk einige Seiten lösen von überraschender Neu-heit, unveräußerlicher Pracht und auffallender Verwandtschaft mit euchvon heute, damit ihr wieder den reinen Quell der Heimat schätzen lernetund euch nicht zu sehr verlieret in euren mennig-roten Wiesen, euren l° s '

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