land ein Zeitraum abschließt und nach dem man einen neuen benennenwird."
Die Blätter für die Kunst hatten schon am Beginn den Charakter desausdrücklich Deutschen in der Neuen Dichtung vertreten und wie wirzeigten in der Ersten Folge betont, daß die Urquellen auch der „NoU-velle Poesie" der Nachbarn in der deutschen Romantik zu suchenseien. Um diese Ursprünge deutlicher hinzustellen, beschloß Georgeeinige Bände DEUTSCHE DICHTUNG herauszugeben, die zunächst denZeitraum der letztverflossenen anderthalb Jahrhunderte, den der deut-schen Wiedergeburt und ihrer Auswirkung umfassen sollten. EineLese aus der mittelalterlichen Blütezeit und sogenannter Volkslieder solltespäter folgen.
George ließ es sich um die Jahrhundertwende mehrere Jahre gemeinsamerArbeit mit Wolfskehl kosten, dessen wundervolle Bücherei hier sehr vonNutzen wurde, um eine Sammlung ohne Rücksicht auf schulmäßige oderliterarische Gewohnheiten im Geiste der neuen Dichtung herzustellen-Seine Absicht war zunächst ein Denkmal des Dankes und der Ehrung fürdie Väter zu setzen, denen er seine dichterische Bildung verdankte, dannfür die Jüngeren das Schönste aus dem Erbschatz der verehrten Meisterin der strengsten Äußerungsform zu vereinigen und sich endlich auchjenem Anwurf entgegenzusetzen, daß die neue Dichtung nur romanischesGut sei und ihre Wurzeln im Französischen, Italienischen oder wie einSchandmaul behauptete im „Gallo-Semitischen" habe. Die Buchausstat-tung der Sammlung, die nach der Gesamtvorrede weder die geschmack-losen Prachtausgaben der oberen noch die nicht schlechteren Notausgabender unteren Masse verdrängen, sondern nur dem gehobenen Geschmackeines Kreises von Künstlern und Schönheitliebenden entsprechen wollte'wurde in die Hände Melchior Lechters gelegt, der die schlichten Bändein Blau Rot und Gold mit der rosenumkränzten Marke der Blätter schuf»die noch heute zu den schönsten deutschen Büchern zählen. Drei Bändewurden unter dem Obertitel „Deutsche Dichtung" in der Reihenfolge derJahre von 1901—1903 im Verlag der Blätter für die Kunst veröffentlicht 1„Jean Paul, ein Stundenbuch für seine Verehrer", „Goethe" und „DasJahrhundert Goethes". Es war ein kühnes Unterfangen neben die jung eDichtung das gewaltige Erbe der letzten anderthalb Jahrhunderte « usetzen: aber mit dem TEPPICH DES LEBENS hatte George eine Vollen-dung erreicht, die ihm die Meisterschaft neben den Großen sicherte, erkonnte auf ein Unzerstörbares blicken, das auch den höchsten vergleichen-den Maßstab ertrug.
In der Mitte, wie sich gebührt, steht Goethe. Die Auswahl aus seinem212