es spricht aus der schönen Stunde als schnelles Vorübereilen, aus dem Frie-den des Hauses als unstillbare Sehnsucht, aus der heißesten Sommerglutals Schwermut der Fülle oder als erster herbstlicher Purpurschein. • eSspricht aus großen Trümmern wie aus seliger Landschaft, aus großer Er-schütterung der Einzelseele und welkendem Volk, aus Freundesabschiedund Freundestod. Unfaßbar wie die Wehmut eines Blickes schimmert dieseverborgene Trauer aus dem Wunder des „Gartenfrühlings" wie dem „Mor-genschauer", deutlich wie das Blut des Pulses unter der Haut aus den Ge-dichten „Pochen" und „Lachende Herzen", wie ein offner Schmerz aus den„Flutungen" um das Umworbene und noch nicht Gewonnene, bis endlie* 1die drei; letzten Gesänge in den höchsten und doch schlichtesten Sinnbildernden Schauer von Licht und Dunkel, Aufgang und Vergänglichkeit verfan-gen: in Tag und Nacht, in Traum und Tod. Auch hier sind die Gedichtewieder in Gruppen von zweien oder dreien vereinigt, aber diese Gruppe 0sind weniger durch Gegenreden oder Gegenbilder getrennt als durchGleichklänge oder Abwandlung desselben Tones verbunden. Ein tiefererEinschnitt liegt nur in der Mitte des ganzen Teiles: die zwölf ersten Li e 'der sind Freunden gewidmet, die zwölf letzten ohne Verknüpfung rnieinem Draußen, innerste Spiegelschau des einsamen Geistes. Die Bew» d 'meten sind meist die neuen Freunde, von den Namen aus dem JAHR D™SEELE sind hier nur als letzte Gruppe Andrian, Klein und Perls geblieben-zwei durch die Wirbel des Geschickes Gefährdete und ein Abgeschiedener-Es ist auch nicht mehr die Widmungsform aus dem JAHR DER SEELE. d ,eFreunde erscheinen nicht als Mitwirkende und Waffengefährten, ihre B lder sind nicht gezeichnet und umrissen, sondern ihre Namen schwingen m 1einer Schicksalsstunde, einer Landschaft, einer Schau auf Volk und ^ebensgemeinschaft, an welche sie geknüpft waren oder durch einen Zugihres Wesens vom Dichter gebunden werden: Die beiden Gattenpaare Lepsius und Verwey an die Gartenstunde und das meerumbrauste gasth cHaus, von den beiden Engländern Cyril Scott an die seltsamen Bilder stebenden und steigenden Glaubens, steigenden und sterbenden Jahres, die deKlängen seiner Musik entstiegen scheinen, Ernest Dowson an die KindeSchwermut des hohen Sommers, die seiner früh müden Jugend entspraund ein wenig an die tropischen Blumen seines Freundes Beardsley er»nert... Ludwig von Hofmann an den ewigen Zauber Roms und des sUliehen Meeres., von den beiden Österreichern Franckenstein an den £weckenden Strahl einer Freundesnacht, Andrian an ein Bild seines gd ieten Vaterlandes, wie es George durch all die Jahre erschienen war: je* 1 *sieche Österreich, dessen welkenden Spätzauber Andrian am vollkommesten gestaltet hatte, jenes brüderliche Österreich, dessen lebendige Spr°3 06
Druckschrift
Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Seite
206
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