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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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neue Werk tat schon in der abermals gesteigerten Straffheit seines Auf-baues dar, daß eine noch größere Vielheit der Lebenserscheinungen in ihmUmgriffen und zu einer dichteren Einung als bisher verbunden war. Drei-teilig wie schon die früheren Werke ist in ihm die ganze leidenschaftlicheGlut mit noch größerer Strenge als vorher gefaßt: jeder Teil ist aus vier-undzwanzig vierzeiligen Vierstrofern gefügt und nur selten einmal wech-sln die Maße und Reimfolgen der Gedichte. Wie ein Bauwerk in regel-mäßigen Säulenpaaren und Quadergruppen geordnet steht das Ganze alsdas vollendetste Kunstwerk unter den bisher geschaffenen Werken da: vonkörperhafter Dichtigkeit und unbedingter Reinheit der Bilder und Formen,von unbeirrter Bestimmtheit der Farben und Klänge. Und nicht nur in derEinheit des Ganzen, auch in der Unterschiedenheit der Teile hat hier derdreiteilige Gedichtkreis seine strengste Durchbildung erfahren: im erstenüberwiegt die Bewegung in der Zeit und daher auch das Zeitwort, imleiten das Stehen im Raum und daher auch das Dingwort, im drittendas Schweben über Raum und Zeit und daher auch die Eigenschaften undumstände bezeichnenden Wörter. Selbst der größere oder mindere Nach-druck auf die dichterischen Mittel von Sinn, Maß und Klang ist in dieserAufeinanderfolge für die drei Teile leicht ersichtlich. Es ist ein sonst nurdem heiligen Bauwerk eignendes Gleichmaß des Ganzen und der Teile, dasSc non in der ursprünglichen Empfängnis des Werkes die ganze StoffmasseUnter das Gesetz des Einklangs zwingt. Es ist das Wunder des großenKunstwerkes, in dem die Kräfte der hohen Vernunft und der hohen Ein-"dung eins geworden sind, wie wir es in vollkommenster Geschlossenheitan Dantes Göttlicher Komödie kennen. Nicht die Strenge noch die Bän-d'gung selbst war das Neue, das sich äußerte, sondern die vollendete Ge-^tzlichkeit dieser Strenge, die Unbedingtheit ihres Sieges und die Ein-Ugung der ganzen leidenschaftlichen Lebensdränge in den gesteigerten0r mwillen der dichterischen Zucht.

* m »Vorspiel" sagten wir, überwiegt die Bewegung in der Zeit, es ist

J a matisches Spiel vor den Bildern und Klangträumen, seine Gedichte sind

a ndlung im weitesten Sinne: Einzel- oder Zwiegespräche als gegenwär-

l ge Vorgänge, Gleichnisse früherer oder kommender Zeit in handelnden

^ es en, Befehl und Lehre, Mahnung und Tröstung mit dem Ton und der

. es te sich Aug in Aug gegenüberstehender Personen. Das Leben erscheint

' n seiner gespanntesten Bewegung und Gegenbewegung von Du und Ich,

hr und Wir. Nach der Wiedergewinnung der leiblich-seelischen Einheit

at de r Geist des Dichtersdie Wendung zu sich selbst" gemacht und jene

w eiung vollzogen, die wir an Dante und Vergil und in der Widerspruchs-

r m an Faust und Mephisto kennen: sein höheres Selbst, sein göttliches

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