als ewiges Gleichnis, als Gesicht des schauenden Geistes dar. Sie hebt keineGegensätze auf, aber sie bindet ihre Pole zu einer lebendigen Schönheitund vollzieht so das Gesetz des großen Lebens selbst.
Wenn George in der dritten Folge der Blätter gesagt hatte: „Wesentlichist die künstlerische Umformung eines Lebens — welches Lebens? ist vor-erst belanglos", so war nun auch deutlich, welches Leben gemeint war:das Schöne Leben, das hieß: nicht das leichte, gelöste oder gar genüßlicheLeben, sondern das gestaltete Leben in all seiner sinnlich-frohen Fülle aberauch in all seiner dunklen schwermütigen Tiefe, mit all seinen herrlichenLichtern und Leibern aber auch mit allen seinen Härten und unlöslichenWidersprüchen, mit all seinen freundlichen Scheinen und düsteren Schat-ten, mit all seiner Lust und all seiner Qual.
Wir fühlen heute aus dem ganzen Tun und Wirken das Recht des Dich-ters seine Gesichte des Schönen Lebens als wahrhafte Zeichen des großenurmächtigen Lebens zu setzen, wir schließen aus ihrer Klarheit, Wuchtund Tiefe auf die Lauterkeit, Stärke und Fülle seines Wesens, er abermußte damals mit einer unausdenkbaren Spannung aus der Glut seinesDranges, aus der Einzigkeit seiner Gesichte, aus der Sicherheit seinesGriffels den Anspruch und das Recht zu solchem Unterfangen in der inner-sten Einsamkeit des Geistes spüren, wo Freund und Gefährte, jedes sicht-bare Ziel und selbst die berauschenden Antriebe des ersten jugendlichenBlutes fern waren. Und dennoch verrät unter allen Bildern schwerer Ge-schicke kein einziges auch den Hauch eines Zweifels an der Gewißheit desan ihn ergangenen Rufes, auch nur die Spur einer Furcht vor dem Ver-sagen oder Versiegen der werkhaften Kraft: in ihm war nichts von Welk eVerzicht und Lauheit, er war ein Streiter des Lebens vom Kern bis in dieletzte Fiber.
Aber gerade deshalb, wie wir anzudeuten suchten, waren die tragischenSpannungen des Lebens in ihm nicht geringer sondern stärker geladen-Der Mensch ist Gefäß des ganzen göttlichen Lebens in dem doppeltenSinne Träger und Getragenes der mehr-als-menschlichen Macht zu sein,er stellt den Schöpfer und das Geschöpf, das Eine und das Viele, das Ewig cund das Endliche in all seinen Widerstreiten und Einungen dar. Je mäch-tiger die spannenden Kräfte um so gleichgewichtiger erscheinen sie, J ehöher die Lage des Gleichgewichts um so dichter und unergründlicher istihre Einung im Wirken und Leiden. Wir sahen schon und werden es nochdeutlicher sehen, wie sie im Leben und Werk unseres Dichters sich m«tweiten Flügelschlägen manchmal bis an die Ränder des Unsagbaren spann-ten, manchmal das Gefäß zu sprengen drohten, aber dennoch fähigwaren sich auf jeder neuen Werkebene inniger ineinander zu fügen. Das198