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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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Zeit nur Splitter des großen Lebens, das alles Geschaffene durchströmt undin immer neuen Geburten sich selbst erfüllt.

Dieses Leben ist die unerfaßliche umfassendste Urmacht, die in raum-zeitlichen Formen erscheint und deren Erscheinung zum Bewußtsein desmenschlichen Geistes erhoben wird durch die Auflösung dieser Formen,durch den Tod, der jeder lebendigen Form schon mitgeboren ist. Er istGrenze und Ende der Formen, aber indem er durch ihre Auflösung dasAllgemeine Urmächtige sichtbar macht, aus dem sie herstammen, zugleichdie Vollendung des Lebens, die nötige Angel seiner ewigen Wiederholbar-keit im irdischen Raum. Leben und Tod sind unserem Geist die ewigenDioskuren, die ihm die Schwelle zwischen Geist und Dunkel setzen, grau-sam in ihrem unerbittlichen Wandel, schön in ihrem immerwährenden Auf-Und Untergang. Solange der Wechsel besteht werden Geschöpfe und Ge-stalten gezeugt und geboren und die Schwermut des Einzelwesens be-ruht in der Unaufhebbarkeit der im Wechsel bedingten Gegensätze vonAll und Ich, Licht und Finsternis, Werden und Vergehen, Gott und Mensch,Einer und Viele und all jenen Widerstreiten in den Höhen und Tiefen. Aberdas furchtbare Grauen des Geistes besteht nicht im Tod der Einzellebensondern in der verhüllten Gefahr der Auflösung des tragisch-schönen Le-bens, der Vernichtung dieses Wunderwerkes durch das Ungestaltige, dasalle Spannungen Lösende, alle Stufen Ebnende, allen Wechsel ins LaueGlutlose Leblose Stürzende, das Nicht-mehr-Sein und Nicht-mehr-Wirken:die Welke der Welt.

Diese Welke ist der Feind des Lebens selbst: mit allem Zeugen, Wirken,Bauen und Gestalten wirft es sich ihm entgegen, und die schöpferischebildnerische Kraft des menschlichen Geistes ist nur die höchste zur Be-wußtheit des notwendigen Kampfes gelangte Kraft des Lebens. Die schaf-fenden Geister, und unter ihnen zuerst die großen Dichter, sind die Führerdes lebendigen Heeres und die Dichtung ist die feinste Waffe im heiligenStreite der Lebensgestaltung, des Sichtbarmachens der Formen, sie ist diegrößte Retterin gegen das halt- und bildlose Versinken, gegen die immerdrohende Ungestalt. Denn in ihren Werken ist bei dichtester Fülle keingrenzenloser Raum, bei geschlossenen Grenzen doch stete Bewegung, beiJeidenschaftlicher Bewegung kein überquellendes randloses Maß, bei streng-gemessenen Verhältnissen keine tötende Starre und bei festem Gefüge doche »n fließendes Spiel zwischen Ganzem und Teilen. Die Dichtung stellt diehöchste Notwendigkeit und den tiefsten Sinn des Lebens: das Ordnen inschönen Maßen, das in der Natur und allen anderen Bereichen außer derKunst nur im steten unbarmherzigen Kampfe oder in unüberschaubarerWirrnis sich vollziehen kann, im ruhigen Spiegel des vollendeten Werkes

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