Unterscheidendes zu sagen. Die guten Hersager kennzeichnet ein Doppel-tes: eine innere Haltung von fester Art als Grundzug und eine zarte Reg-samkeit und Schwingungsfähigkeit der gebändigten Kräfte. Bei denschlechten Hersagern hat eine dieser Seiten eine übertriebene Ausbildung°der fehlt auch völlig, sie sind zu starr oder zu weich, zu rational°der zu musikalisch. Wer den Musikrausch nicht opfern will, schau-dert vor dem Hersagen, wer zu verstandesmäßig ist müht sich an!hm vergebens. — Auf die Auswirkung des Hersagens im späterenLebenskreis Georges und die geschichtlichen Einsichten, welche sichdaran knüpften, kommen wir noch zu sprechen.
3. KAPITEL: DER TEPPICH DES LEBENS
NACHDEM in der vierten Folge der Blätter für die Kunst im November1897 die ersten Gedichte aus einer neuen „Nach der Ankunft des En-gels" betitelten Reihe Georges veröffentlicht worden waren, vergingenw enig mehr als anderthalb Jahre bis zur Vollendung des ganzen Werkes,de m jene Gedichte angehörten: es war der TEPPICH DES LEBENS. Inder Sommermitte des Jahres 1899 hatte George es schon bei Lechter vor-gelesen und dem Künstler die Handschrift zur Gestaltung des gedruck-ten Buches überlassen. Die schöne Handschrift bestand aus einem recht-ec kigen Heft von grauem Büttenpapier, auf dessen Seiten je zwei Gedichteln Kolumnenform nebeneinander geordnet in schwarzer Schrift mit rotenAnfangszeilen oder roten Überschriften standen. Lechter war von denGedichten aufs tiefste ergriffen worden und setzte seine ganze Kraft dar-an > dem neuen Werk auch in der äußeren Buchform die Wucht und Prachts eines Gehaltes zu geben. Er behielt sowohl die Farben der Handschrift,Schwarz und Rot auf grauen starken Büttenblättern, wie auch die Anord-n ung der Gedichte in zwei Kolumnen auf jeder Seite bei. Doch ließ er die^trofe je mit einem Zierbuchstaben beginnen, die im allgemeinen vonSpeicher Größe, doch zuweilen im Maß wechseln oder ganz fortfallen, weildie Schreibung der Gedichte es erforderte, die Lechters zarte Hand stetsbestehen ließ. Er vergrößerte aber das Format der Handschrift auf ein»iereck von 36 : 36 cm und füllte die dadurch entstehenden leeren Räumeu ber und unter den Kolumnen durch breite und an den Seiten schmale Um-r ahmungen aus, die nach der Dreiteilung des Buches dreimal wechseln:2 Uerst ein Brunnen- und Kerzen-, dann ein Schlangen- und Baumranken-,u °d endlich ein Rosenblütenornament. Vor jeden Teil ist der Teiltitel inei n Vollbild gestellt: es sind „die Bilder des über Wolken thronenden En-
195