Für die griechische Sprache, welche keine ausdrückliche Betonung derWurzelsilben kannte, sondern ihre Wucht im Gleiten und Schweben derWorte, im Zusammenhang eines gegliederten An- und Abschwellens fand,"nögen wir die unwiederherstellbare Einheit ihres Rhythmus in der höch-sten Gestaltung ihrer Wiedergabe etwa so deuten: zwei ruhige Formen,die Regelung der welligen Maßbewegung durch feste Zeiten — Längen undKürzen —, und die Regelung der Klangbewegung durch die in geringerEntfernung um einen Mittelklang gelagerten Töne, standen in Spannung■B der dritten bewegteren Sinnform, die sich im Auf und Nieder, in einemerregteren Höhen- und Tiefenunterschied der ursprünglichen Sprach-melodie ausdrückte. Das Wunder der gegenseitigen Verhältnisse dieserFormen im einheitlichen Raum vermögen wir zwar nicht wieder herzu-stellen aber doch zu ahnen am Wunder des neuen Hersagens, um das wirSern das Opfer des vereinzelten Musikrausches, des skandierenden Marsch-trittes und des schauspielerischen Rollens zwischen Flüstern und Donnern,Schleppen und Übereilen, Wimmern und Zürnen gebracht haben. UnsereSprache muß die Formkräfte im dreidimensionalen Sprechraum des dich-te rischen Lautgebildes notwendig anders lagern als die griechische oderr °mische oder eine von diesen abgeleitete. Statt eines melodischen Glei-tens und Schwebens kennzeichnet sie gerade die leidenschaftliche durchh eftig en Stoß (Iktus) auf die einzelnen Wurzelsilben hervorgetriebenekinnäußerung. Die Maßform ordnet daher die Bewegung dieser Stöße durchteste Stärken: durch einen gesetzmäßigen Wechsel von Hebungen undSenkungen der Stimmgewalt. Die Klangform setzt dieser Stoßbewegungeine Gegenbewegung entgegen: nicht eine Eintönigkeit sondern eine Aus-Seglichenheit von Klanghöhen und Tiefen innerhalb der Silben jeder Zeileü nd zwischen den einzelnen Zeilen selbst. Diese Höhen- und Tiefenunter-schiede machen im musikalischen Sinne nur selten ganze, meist nur halbeUnd Viertelstöne aus. Sie heben sich nicht wie Falschunterrichtete be-hauptet haben, sondern senken sich zur letzten Zeile der Strofe hin und** tr Abschluß der Strofe klingt schwebend in gleicher Höhe aus. Die
Hinform tritt nun zur Gesetzmäßigkeit der Hebungen und Senkungen und2y r Ausgeglichenheit der Tonhöhen und Tiefen durch das neue Element
er Zeit in eine dritte Spannung, indem sie die Stimme zum längeren oderKürzeren Verweilen auf den für die Bedeutung wichtigeren oder unwichti-geren Satzgliedern zwingt und so auch das letzte Sprachelement des Ge-
,c htes in den Rhythmus des künstlerischen Hersagens einfügt.In ihrem Ursprung freilich hat diese erst von George vollendete Einheitde s Hersagens nichts mit der gedanklichen Gliederung zu tun, durch die^ lr sie hier zu fassen versuchten. Das neue Hersagen Georges wurde im
' 3 193