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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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sprüngliche Erschütterung in ununterbrochener lebendiger Weiterwirkungzu hegen und fortzupflanzen.

Um die Wichtigkeit dieses meisterlichen Tuns und die Möglichkeit derBildung einer neuen Übung und Überlieferung des dichterischen Sagensganz zu begreifen, müssen wir noch einen kurzen Blick auf die geschicht-liche Entwicklung des Hersagens werfen. Über die Verlautbarung derhohen in der Einheit von Wort Ton und Tanz dargestellten Dichtung derAntike besteht kein Zweifel. Es ist sogar mehr als wahrscheinlich, daßa He Schriften von Wert vom antiken Menschen laut gelesen wurden, jaselbst das Schreiben unter lautem Hersagen geschah. Wenn die Nachrich-ten darüber spät sind, so ist es kein Zufall, daß die weitaus meisten Stellendarüber dem 4. Jahrhundert nach Christus entstammen, jener Zeit, in ders 'ch zwei geistige Welten begegneten und daher Dinge geäußert wurden, sonst in glücklicher Gewohnheit zwar getan, aber nicht besprochenWurden. Was wir aus allem entnehmen können, ist ein tiefer Gegensatzzwischen der sinnlich-leibhaften Welt der Antike und der innerlich-seelen-"aften des Christentums auf diesem Gebiete.

Die katholische Kirche hielt im Gottesdienst die herbe männlich-unmusi-kalische römische Form des Hersagens, die schon durch das Vorlesen derp salmen, Episteln und Evangelien gegeben war, aufrecht und führte ge-r ade im vierten Jahrhundert die eben zu ihrer höchsten Blüte gelangtegriechische Singweise der orientalischen Kirche ein, aus beiden das wunder-te auch noch in derstillen" Messe gesprochene Wort der Litur-& ,e und den herrlichen Bau des Gregorianischen Gesanges gestaltend. DieVerbindung von Wort, Ton und Handlung war für den göttlichen BezirkWiedergewonnen, aber freilich tief verwandelt. Das Wort hatte seine be-herrschende Stellung, die es von Homer bis zu Piaton und noch Jahr-hunderte darüber besaß, aufgegeben. Es war nicht mehr der bestimmende^eib, die bildhafte Gestaltung des Lichtes, sondern spiegelnder Trägere 'nes unendlichen ungestaltigen oberen Lichtstroms, Hauch des Heiligenfeistes, mystischer Laut des mystischen Leibes Christi. Der Ton erklang"fi Gregorianischen Gesang und auch im engeren Sprechton der Litur-gie nicht wie in der Antike m i t dem Worte, sondern über dem WorteUl *d der Wortsinn bekam einen vom Gesang getrennten geistigen Stand.Aber was die Kirche so erhielt, waren die noch am meisten ergreifendenKlangzeichen der antiken Seelen, war noch das seelenhafte Spiegelbild dereinstigen dichteren Verbindung, und es gehört zu den Wundern der geisti-gen Überlieferung, daß diese liturgischen Sageformen heiliges Erbe be-wahrend, weiter dauerten, als in den neueren Jahrhunderten sich Tonu *vd Wort allmählich immer weiter voneinander trennten, bis endlich in der

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