Und Worte, der Sinn die Satzglieder, Sätze und Satzgefüge. Ihre Einheitlr n größeren oder kleineren Raum — die Klanglinien, Schrittmaße undSinnbilder vereinend — ist der Rhythmus, die fließende Wellenbewegungder Form, die Gestalt oder der Ton des Gedichtes. Je vollkommener dieseEinheit ist um so vollkommener ist das Gedicht: je mehr die unendlichenMächte im Ebenmaß, im schönen Verhältnis aller Teile in ihr gebundens ind, um so sichtbarer, herrlicher, wirkender ist ihre sinnliche Entfaltung"n endlichen Gebilde. Das Gedicht auf dieser Stufe der Gestaltung istStimme der Erfüllung, Offenbarung des Göttlichen in uns und außer uns,e s rückt uns aus einer Welt des Unendlichen, Übermächtigen, Unbegreif-lichen, ja Ungeordneten in eine Welt der schönen, maßvollen und sinn-vollen Ordnung, wo Freude und Trauer des Alls göttlich und menschlichzugleich sind.
Im vollkommenen dichterischen Gebild ist, wie wir sahen, vom Buch-staben bis zum Satz alles künstlerisch durchformt. Das Hersagen des Ge-dichtes besteht also in der Wiedergabe dieser künstlerischen Form, unde utsprechend der Verschmelzung der drei Kraftbereiche zu einer Ordnung,ei nern Rhythmus oder Ton, muß auch die Hersage die Einheit der drei-maligen Ordnung wiedergeben. Der Dichter schafft diese lautliche ver-standesmäßig nicht aufzulösende Klang- Maß- und Sinnverbindung vonPorten in einer Gesamterschütterung seiner Kräfte und macht die mensch-Uch-göttliche Einheit auf allen Stufen des sinnlich wandelbaren Lebens in'hr sichtbar. Der Dichter ist daher auch der Meister des dichterischen Sa-ßens, seine Stimme drückt den gesamten Bau und Gehalt des Gedichtesa m reinsten aus, ganz gleichgültig, welche Stimmittel ihm zur Verfügungstehen, und sein Ohr hat das beste Urteil über die Wiedergabe des Ge-wehtes durch andere Stimmen: er lehrt durch Vorbild und Winke dashersagen der Gedichte. Die Verlautbarung des Gedichtes ist die Wieder-er Weckung der gleichen Erschütterung, aus der es geboren wurde: dieA eilhabe am Weltgang des Dichters.
£*a in einer Sprach- und Volksgemeinschaft alle am Worte teilhaben, so0 n n e n auch alle an der Erschütterung durch die dichterischen Gebildete ilhaben, aber wie in allen menschlichen Bezirken wird die Teilhabe sichuach den geistigen Kräften stufen, die jedem mitgegeben sind — wie wir°enn annehmen müssen, daß von den im Theater versammelten Athenernal ie von den dunklen Worten eines Äschylus ergriffen wurden, auch diew elche wenig ja kaum etwas davon begriffen. Die Größe der sinnlichen Er-schütterbarkeit ist das unterscheidende Maß für die Stärke des geistigenErfassens. Zu dieser Kräftestufung, die für alle Zeiten und Orte gilt, trittn °ch eine Artungsstufung wie in der Antike zwischen Freien und Sklaven,
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