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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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ben Frucht und Samen verweigert und der unfruchtbaren Welt die Ernäh-rung und die Nachfolge der Sprößlinge vom Baume des Lebens vorenthält'

Wenn nicht immer neue Dichtung entsteht, jene Bilder nicht immer neuaus dem Urgrund zurückgeworfen werden, so erstarren die Gedanken,vertrocknen die Begriffe und werden die Worte welk, die aus den leben-digen Zeichen in allen Ableitungen geschaffen wurden, und die Sprachewird tot für alle höheren Formen menschlichen Umgangs. Die heiligenGlieder der Kette, welche von den ewigen Mächten über die großen Geisterzu den Geistern und Herzen der empfänglichen Menschen hinabreicht,sind alsdann zerrissen und die Lichtkraft, welche vom unsichtbaren Quellbis in alle Leben ausgesandt wird, verweigert den Samen der Erneuerung-Die blühende Dichtung aber webt unaufhörlich die heiligen Glieder vomThron des All-Lebens der ewig kreist, bis zum Herzen der endlichen Men-schen, wo er stetig errichtet werden muß, und ihre Sprache ist der Vor-gang dieser Verbindung selbst, die Darstellung des Ewigen im Endlichendurch die dem All wie dem Menschen eingeborenen Mächte von Klang»Maß und Sinn.

Denn Klang Maß und Sinn sind zwar menschlich-sprachliche, aber zu-gleich übersprachliche Mächte: es gibt auch Klang außer der Sprache vomSchrei bis zum Donner, es gibt auch Maß außer der Sprache vom Schrittund Pulsschlag bis zum Kreisen der Gestirne, es gibt auch Sinn außer derSprache vom Augenblinzeln bis zum Blitz und Aufgang des Lichtes. Essind die Zeichen und Gesetze der göttlichen Mächte der Welt, die in derSprache das höchste umfassendste menschliche Mittel haben und als Dich-tung in einer sonst für uns unerfaßlichen Einheit alles Wirklichen sichtbarwerden. Die Unendlichen fügen sich hier in einen endlichen Ring und spre-chen in der begrenzten Ordnung die wir die schöne nennen zumendlichen Wesen des Menschen. Sie bannen sich in einen festen Raum :den Gesang, den Auftritt, das Gedicht, die Strofe, und binden sich anein einförmiges immer wiederholtes Durchschreiten dieses Raumes imFuß, im Schnitt, im Vers, sie knüpfen sich weiter an ein gleichmäßigwiederkehrendes Echo der Töne, Gleichklang oder Einklang im Anlaut,im Reim oder an ein verhüllteres aber nicht minder gesetzliches Spiel derEntsprechung von Lauten im gemessenen Raum, sie unterwerfen sichendlich den menschlichen Bildern des Seins und Geschehens, Wollens undDenkens und erscheinen unter Sinnbildern in Satz und Satzglied als derdritten Stufe der Ordnung, ohne welche die Dichtung in Stoß und Stamp'fen, Schrei und Stammeln zerfiele.

In dieser dreiteiligen Ordnung des dichterischen Gebildes bindet derKlang die Laute vom Buchstaben bis zur Lautgruppe, das Maß die Silben

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