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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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energisch vorstehendem Kinn, eingefallenen Wangen, scharfer Nase undvierkantiger Stirn unter einer schweren Kappe von dunkelbraunem, auf-Und hinterwärts glattgekämmtem Haar: ließ er an einen Bußprediger oderstrengen Asketen denken. Und schwer wie Litaneien kamen die Verse miteintöniger Psalmodierung aus diesem seltsam-strengen Mund, dann undwann etwas stärker durch die nur wenig voneinander weichenden Zahn-reiben gepreßt und oft wie mit einem Grabklang langsam hertönend zwi-schen den dünnen Lippen.--------Das energische in sich selbst schauende

Asketengesicht spricht von Verdichten der Kraft, von Kampf gegen dieLeidenschaft, von einem innerlichen Leben in höchster Potenz. Nur mitfurchtbarem Ernst muß dieses Leben für die Kunst ihn erfaßt haben, daßselbst wenn seine Verse von Freuden sprechen, seine Augen keinen Augen-blick mehr aufleben und kein Ton von Heiterkeit die düstre Weise des"ortrags erhellt. Allen, welche die Kunst als Spielerei oder als Modesache"ebhaben, muß dieser Dichter wohl als ein Bußgesandter, als ein lebendes»Bekehrt Euch' erschienen sein".

Hier wurde in der Tat ein Schlüssel zwar nicht für die Art und Weised es Hersagens aber für den tiefen Ernst der Georgeschen Haltung in allendichterischen Dingen genannt. Er stand in einer bürgerlichen Welt, derenUnvorstellbare Verständnislosigkeit für Dichtung wir eben geschildert" a ben. Das Bequemste und Alltäglichste, Platteste und Gemeinste wennUicht gar das Süßliche und Kitschige aus einer verlogenen und verbogenenGefühlssphäre galt ihr in irgendeine gereimte oder reimlose Ordnung oderAnordnung gebracht oder noch lieber in schlechten Gesprächs- und Satz-forrnen des Schauspiels und Romans genossen als Dichtung. Das WissenUr n Dichtung als ein Werk der Kunst drohte damals verloren zu gehen,da s Gefühl für ihre hohe Bedeutung, die sie zu allen Zeiten und bei allenVolkern gehabt hat, war fast erloschen.

^ie Kunst, sagt Goethe, ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.Achtung, sagt Shelley, ist dem Ursprung des Menschen mitgebürtig: SiePflückt eine Art Verdoppelung vom Baume des Alls, indem sie die Ur-Sa chen aller Erschütterungen, die wir von dort empfangen, im Spiegel derSprache zurückwirft und so durch Zeichen und Sinnbilder die vorher un-be griffenen Beziehungen von Kräften und Dingen bezeichnet, sichtbarmacht und ihre Begreifung dauernd bewahrt. Sie gibt das wirkliche Bild^es Lebens ausgedrückt in einer ewigen Wahrheit, sie istetwas Gött-Uches, zugleich Mitte und Umfang des Wissens: sie ist das was alles WissenUmfaßt und das worauf alles Wissen bezogen werden muß. Sie ist zu gleicher*eit Wurzel und Blüte aller anderen Gedankenbauten: sie ist das worausall e entspringen und was alle schmückt, und sie ist das, was beim Verder-

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