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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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dieses Weltschmerzgigerltum fesseln könnte. Vor allem aber sie verstehtdie Gedichte gar nicht: in den meisten steht dasselbe, sie sehen sich un-unterscheidbar ähnlich:Alle Erinnerungen an Satzbau lassen uns dabeisofort im Stich keine Hauptwörter, keine Kommas: .Kommas sind fürKommis' soll der Dichter sagen, imposante Kolonnen einzelner Adjek-tiva, ganze Wortkombinationen von tiefster Düsterkeit, hier und da ahnenwir, wie verschleiert von grünlichen Nebeln, Teile eines Bildes Teile»denn wie käme ein Ganzes trotz aller malerischen Absicht bei dieserHäufung und Verworrenheit überhaupt zustande?!" Arme Babette O-'Doch genug davon! Das Lachen der Jugend wird uns die Mühe lohnenall diese Dummheiten gelesen zu haben, die so noch ein Jahrzehnt undlänger die gleichen Themen weiter spielten, bis sie vor der Gewalt derTatsachen so sagt man doch? langsam verstummten. Was andiesem Anfangstone verwunderlich bleibt, ist die auffallende Heftigkeitdes Hohnes und Hasses als Antwort auf die Veröffentlichung von vie fkleinen Gedichtbüchern und einigen Prosestücken in einem Deutsch-land, das jährlich tausende von Büchern und Gedichten auf den Mark 1warf. Spürten die Aufgeregten doch schon denAufruhr in diesenzarten Seiten"? Fürchteten sie, wie einem klugen Sachsen schon1899 schwante, daß beim Durchdringen dieser neuen Dichtungeingroßer und nicht der unbedeutendste Teil aller Lyrik beseitigt werdenwürde"? Fühlten sie, daß hier eine andere Art Verbundenheit aufwuchs»die das Kunstrichtertum überflüssig machte, dader Kreis" auch desPublikums enthebt? Spürten sie, daß das Urteil in ihm nicht mehr ai>sihrer Sphäre genommen wurde, daß durch den Kreis selbst die berühmt*Art des Totschweigens unmöglich gemacht war? Oder gar, daß hier di eJugend durch strengste Zurückhaltung vor allzu früher Verführung un* 1Vorführung in der Öffentlichkeit bewahrt und also auch nicht mehr ,,en''deckt" werden konnte? Wie dem auch sei, in einem hatten sie, von Theo'dor Wolf bis Ulrich Wilamowitz, recht: in der Vorstellung, daß es sie* 1bei diesem Dichter und Dichterkreis um etwas von ihrer Welt gänzli cJlVerschiedenes handle. Mochte diese Vorstellung aus dem Haß oder Hohn»aus der Bosheit oder Gemeinheit kommen, sie drückte die wahre Meinuniihrer Urheber aus, daß ihnen hier ein Fremdes Unbegreifliches entgegen*trete, das mit allen Mitteln zu bekämpfen sei. Sie mußten damit selb»den Gegensatz der neuen Dichtung zur Umwelt aufrecht halten, dafü'sorgen, daß der Kreis der Blätter für die Kunst nicht in die Schubfäche rder Schlagworte oder des Auch-nicht-anders-seins eingeordnet wurde. P asie aus der Stärke des Gegensatzes auf diese bequemen Abwehrmittel ver-zichten mußten, hat bis heute ein inneres Gefühl auch die Widerwilligs tefl184