bald bedauerte man, daß unter ihnen die starke Persönlichkeit ihres Führers»fast unumschränkt mit allen grausamen Insignien der Gewalt herrscht"und riet den Schülern sich zu befreien und Eigene zu werden. Insgesamtbetrachtete man Führer wie Geführte als ausnahmslos reiche Leute, die inLuxus und Behaglichkeit aufgewachsen, die Annehmlichkeiten des Lebensergründet, ja bis zum Rest ausgekostet hatten, Genießer, die keine Beziehun-gen zu den großen Bewegungen der Zeit und den großen Fragen derMenschheit besaßen und daher müde und kampflos in ein dekadentesTraumleben versunken waren. „Nur wenige Getreue" so schrieb ein Revo-lutionär der Lyrik „die ein vorsorgliches Geschick mit begüterten Väterngesegnet, folgten der verlassenen Göttin Poesie in die Einöde, wo der Mondsich in ihren Brillantringen spiegelte und unter seltsamen Pappeln die unterseltsamen Himmeln ein seltsames Rauschen vollführten, trieb nun ein selt-samer Kultus sein seltsames Wesen. Ich kondensiere nur, ich übertreibenicht. Das Kleid dieser wohlhabenden Jünglinge war schwarz vom schwe-ren Violett der Trauer, sehnend grün schillerten ihre Hände und ihre Zei-len i— Explosionen sublimer Kämpfe — waren Schlangen, die sich wie Or-c hideen wanden. Der große Regenfall der Alltagsasche erstickte sie. SieSollten das schreckliche Leben der Felsen begreifen und erfahren, welchenerhabenen Traum die Bäume verschweigen. Aus ihren Büchern der Preis-end Hirtengedichte, der Sagen und Sänge, der Hängenden Gärten und derheroischen Zierate, der donnernden Geyser und der unausgeschöpften Quel-len dufteten Harmonien in Weiß, vibrierten Variationen in Grau und Grün,schluchzten Symphonien in Blau und Rosa. Noch nie waren so abenteuer-lich gestopfte Wortwürste in so kunstvolle Ornamentik gebunden. Halfn ichts. Ihr Dasein blieb ein submarines und das deutsche Volk interessierteSich für Lyrik nur noch, insofern sie aus den Damen Friederike KempnerUnd Johanna Ambrosius träufelte".
Ihre „Kunst für Kunst" hatte nach der Meinung der Richter keinenSchimmer von Berechtigung mehr nach dem Erstarken des nationalen undStammesbewußtseins und dem kräftigen Aufblühen des Volkstümlichen, sie^ar nur noch Artistenlyrik, Versdressur und Reimgymnastik für abnormeLeser und Gourmands der Seele, eine verstiegene Wortspielerei von soSchwindelnder Höhe, daß sie beim nächsten Schritt ins Lächerliche fallen,ln r Sinn zu Unsinn, ihre Schönheit zu Verzerrung werden mußte.
Unter diesen „Reflexionen", die den selbstgeforderten Bedingungen an Ge-richte nicht entsprächen, witterte ein Neunmalkluger der Frankfurter Zei-tung weniger griechische als „ungesunde bacchisch-asiatische Lustgefühle".A ndre hatten die Empfindung zugleich ergriffen und gefoppt zu sein, dennes fehlte der versunkenen absentierlichen Poesie dieser ewigen Epheben
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