sten Teil unserer Schrifttums-Geschichte füllen wird . ." wie denn auchein kluger Kieler, dem die kleinen Hauptwörter und fehlenden Kommaskeine Schwierigkeiten machten, sie schon 1901 „Stacheldraht wider Un-berufene" nannte.
Schon frühzeitig hatte der Klatsch aus Literatenklüngeln um GeorgesPerson die abenteuerlichsten Gerüchte gebildet, was nur angeführt zu wer-den verdient weil auch ernsthafte Männer dergleichen nachbeteten. Einschriftstellernder Psychiater glaubte in „Die Rheinlande" (Sept. 1904) denNachweis führen zu können, daß das ihm so unsympathische Hieratischenicht wie Klages meinte aus dem Rheinisch-Katholischen sondern aus demJudentum Georges herstamme, und ein sogenanntes wissenschaftliches Nach-schlagewerk (Kürschners Literaturkalender, Jahrgang 1912) ließ ihm nichteinmal seine ehrlichen christlichen Namen. Immerhin, George selbst ge-standen doch einige Stimmen, wenn sie ihn auch im allgemeinen oder beson-deren aburteilten, eine Könnerschaft, eine neue Kunstform, eine Erzeugungvon traumhaften Stimmungen zu, sie wiesen darauf hin, daß auch Goetheund andere Große nicht gleich verstanden wurden und auch heute noch nichtauf der Heerstraße lägen, oder meinten wohlwollend, daß George der ersteLyriker Deutschlands würde, wenn er auf seine griechischen Erinnerungenund chinesischen Träume verzichtete. Auch erkannte man ihm im Vergleichmit Hofmannsthal die größere Feierlichkeit, die ernstere Pracht zu — erist mehr „Vates" meinte Maximilian Harden — und nur die Wiener lobenstets ihren Hofmannsthal als den größeren und klareren Dichter, „demleichter zu folgen ist, weil er uns entgegenkommt" und dem daher die Zu-kunft gehöre. Hier und da klang auch die Befriedigung durch, daß Georgeendlich der groben Kunst der Zeit die innerliche Kunst entgegensetzte, undmanchmal zeigt die Mischung von höchster Bejahung und krassester Ver-neinung eine solche Unsicherheit des Urteils, daß unser Vermögen zwischenDummheit und absichtlicher Lüge zu unterscheiden hier versagt. Aber dieseUnsicherheit hörte sofort und mit wenigen Ausnahmen bei allen auf, wennes sich um die Bewertung der Anhänger oder überhaupt mit Einschluß Ge-orges und Hofmannsthals der ganzen Gruppe der zwölf Dichter handelte, diedurch die erste Auslese sich als abgeschlossene Schule, als einen Kreis vonGleichgesinnten vor die Öffentlichkeit stellten. Man nannte diese Schüler,welche in Georges eigenen Widmungen „ihre kompromittierten Persönlich-keiten durch die Welt trugen" eine Gesellschaft auf gegenseitige Bewunde-rung, die dem Dichter durch ihr Lob nur schadeten, ihn wie eine waltendeGottheit auf den hohen Sockel der Bewunderung stellten und ihn dadurchhinderten, künstlerisch auszureifen. Bald mißbilligte man ihr gleichsam her-denmäßiges Auftreten und rief George zu diese Anhänger abzuschütteln»
180