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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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äußerte. Aber das Sagenkönnen, die gute wenn auch nicht dichte Fügungist in seinen Gedichten außerordentlich groß. Diese große Beweglichkeitder Sageweise befähigte seinen rasch aufnehmenden Geist aus allem einwunderbar blumiges rankiges Spiel zu formen, er versagte sich kaum odernie, ein Drängen des Gefühls, ein Blitzen des Gedankens zum Gedicht zumachen, darum wird bei der Unsumme von Einfällen oft das Bild nichtplastisch, bei wundervoller Reimkunst oft der Rhythmus nicht zwingend.Am sichersten führt er den Griffel wo seine Leidenschaft von einem my-thischen oder historischen Gegenstand ergriffen wird und um eine festeAchse schwingt: daher die Kraft seiner Zwiegespräche und die Stärke seinergroßen Shakespeareübertragung. Das Gedankliche, das in den späterenJahren immer stärker vortrat, ist in der Frühzeit noch umblüht von pflan-zenhaftem Schmelz und umwölkt von Wachstumsschwermut, mit zagerGebärde hebt sich die junge Seele aus Nacht und alter Müdigkeit, und diezarte Stimme fragt noch ohne Selbstvertrauen ob ihr das schwerere Spielin neuer Luft gelingen wird.

So wuchs die Schar der Gefährten und Mitarbeiter an den Blättern vonJahr zu Jahr und Verwey schrieb schon nach dem Erscheinen der erstenBände der vierten Folge in seiner zweimonatlichen Zeitschrift (Jan. 1898):Ich beneide Deutschland um eine Jugend, die so in die Welt tritt. Ge-orge kann zufrieden sein. Schon wird der Drang der Öffentlichkeit nachgrößerer Verbreitung seiner Werke und Zeitschrift stärker. Nun ist esan ihm klar zu machen, daß er sein Ziel, die Vereinigung aller Guten inDeutschland, erreicht hat. Er kann stolz zurückhalten und antworten, daßnoch keinen, der ihm wert war, die Mühe verdroß, sich den Weg zu seinenWerken zu bahnen. Doch gibt es Zeichen, daß die Bewegung bald zu grö-ßerer Öffentlichkeit gelangt. George steht dann umgeben von einem Freun-deskreis und von seinen Gedichten, deren fünfter Band unlängst erschien"-Wir wissen heute, welchen tiefen Grund der schöne Neid des westlichenGefährten hatte: weder in seinem noch in den Nachbarländern erstandden führenden Dichtern eine junge Schar von gleicher Unbedingtheit derHingabe und gleicher Sachlichkeit der Schulung wie dem deutschen Dich-ter in Deutschland, und wenn die Holländer, wie wir sahen, noch zweiJahre vorher mit Hochmut auf den deutschen Bruderstamm herabsahen,weil er ohne tiefere dichterische Bildungseinheit sei, so sahen sie nun vorihren Augen das Unerwartete geschehen, daß hier in Jahren schneller undreicher wuchs, was die gereiften Völker rings als langgewahrtes Erbe derJahrzehnte und Jahrhunderte rühmten. Denn neben den jungen Ankömm-lingen standen auch die älteren Gefährten in der vierten Folge mit neuenErzeugnissen bedeutender Art: Sie enthält von dem fraulich-unberechen-

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