Spieles „Katharina von Armagnac" wurden in die vierte und fünfte Folgeder Blätter aufgenommen, dann hat er dem Beispiel Hofmannsthals fol-gend sein Heil in der Schreibung von Mirakelstücken für das Theater ge-sucht, die heute schon verschollen sind. Der Ton seiner Gedichte undSpiele zeigte früh die starke Verwandtschaft mit Hofmannsthal: die glei-tende Musik, die überschwellenden Farben und jenes Element der schwü-len Sünde und schwelenden Todesbrunst, das die Seelengehalte vergange-ne r Zeiten in die bedenkliche Nähe unserer psychopathischen Wissenschaftbrachte und eine Weile die deutsche Bühne beherrschte. Die ersten Ge-dichte blieben unter dem Einfluß Georges, den er in einer sinnbildlichenDarstellung des Rheins (V, 94) als den Erretter aus verschlungenen Talenund wirren Schluchten, als „Strom von Wein und Blut" und „der SittenStraße" pries, am freiesten von jenen späteren Dünsten, und solche Stro-gen wie in „Odysseus" und „Parcival" sind von einem einheitlich großen"ang, den keine kleinlichen Abschweifungen unterbrechen.
Weniger prächtig und leidenschaftlich aber von größerer Sicherheit derTechnik und Bildführung auf beschränktem Raum sind die Gedichte desZweiten Neulings in der vierten Folge: des 1872 zu Wien geborenen AugustMayer-Oehler. Der junge Österreicher hatte sich schon frühzeitig ein gro-ßes Wissen um die antike Dichtung erworben, die HIRTEN- UND PREIS-GEDICHTE gaben seiner Gelehrtennatur die Gegenwartsluft für die ge-hebten klassischen Vorstellungen und regten die eigene dichterische Er-zeugung in ihm an. Aus diesem Ursprung stammen „Die Feste der Ephe-ben" und „Pharos der Feigengarten": Bilder aus der heldischen Griechen-zeit, die ein etwas zartes aber reines Herz in unsere Luft und Landschaftüberzeichnet. Seine Vorwürfe sind einfache unverwickelte Begebenheiten,großgesehene ernste Geschicke von Knaben und Mädchen, die in einer gott-er füllten Welt und unter einem göttergläubigen Geschlecht spielen. Umalles weht eine klare durchsichtige zuweilen etwas dünne Luft, die Gleich-nis se sind zurückhaltend und ungesucht, die Worte von so schlichter un-bemühter Einfachheit, daß der Dichter mit einer geringen Erhebung seinesiQ nes, den er gern in den Schlußvers legt, eine schöne leicht überraschendeWirkung auszuüben vermag. Einer Erweiterung und Wandlung war diese^yllische Kraft Oehlers freilich nicht fähig, nach dem Spiel „Die Mädchenv °n Phaesana" in der fünften Folge wandte er sich der Übertragung helle-ni stischer Epigramme und seiner Forschung zu, doch blieb er bis zu seinemr °de (1919) m it George und dessen Freunden im Verkehr und diente mitSe vnem erstaunlichen Sachgedächtnis den Liebhabern der Antike.
Zu gleicher Zeit mit diesen Süddeutschen stießen in Berlin zwei Ost-deutsche zur Gemeinschaft der Blätter: die Simmelschülerin Gertrud
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