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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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io. KAPITEL: DIE VIERTE FOLGE

IN ihren übrigen Merksprüchen und Prosestücken faßte die vierte Folge,deren zwei erste Bände mit einer Beilage Lechters im November 1897,deren drei letzte erst Ende 1899 als ein Band erschienen, noch einmal diegewonnenen Erfahrungen über künstlerisches Schaffen und Leben zusam-men: die Notwendigkeit des gemeinsamen Wirkens aller Künste,die Ab-lehnung aller unkünstlerischen, real-programmatisch-tendenziösen" Be-strebungen, um dem Ausspruch eines bewährten Tondichters der Zeit zuf °lgen, und die strengste geistige Zucht sowohl im Hervorbringen wie imGenießen der Kunstwerke. Denn auch denen, hieß es,die jetzt zur allge-meinen Umkehr mahnen, ist durch die lange Gewohnheit so das Gefühl er-starrt und der Blick getrübt, daß ehe sie sich wieder mit Kunst beschäfti-gen, man ihnen raten muß, sieben Jahre hindurch über nichts mehr nach-2 udenken als über das: warum ein Gedicht schöner sei als eine Gleiches sa-gende Rede, ein Gemälde schöner als das genauere farbige Lichtbild, einBildwerk schöner als die treuere Wachsform". Und denen die mit allzuraschen Schritten die Schwenkung mitmachen wollten, galt der Rat, die An-mut nicht an fremden Kunstwerken abzusehen, sondern zunächst die An-mut der eigenen Haltung und Bewegung zu lernen:es ist bedeutsam, daßlr| r merkt wie sehr sie euch fehle, doch ist es langwierig den Reigen zu er-le rnen mit nicht mehr jungen Gliedmaßen".

Hofmannsthal, Wolfskehl und Klages bemühten sich in kürzeren und län-geren Aphorismen den bildlichen Ausdruck im Kunstwerk, den immer wie-der betonten Gegensatz zwischen der wesentlichen Wirkung des Kunst-w erkes als eines rhythmischen Gebildes und der üblichen stofflichen An-re gung durch das Erzählte, die Geschichte oder sonst eineneigentlichens inn hinter ihm" zu erläutern. Vor allem aber sprachen sie vom schat-tenden Künstler selbst, von seinem Verhalten zu den Dingen der Wirklich-st und ihren Spiegelbildern im Bereich des schöpferischen Rausches, vonseinem Niedertauchen in die gärenden Kräfte und seinem Aufschwung inaas verklärende Lichtreich der Träume.Die schöpferischen Naturen"schrieb Klages,kennzeichnet die tiefe Liebe zum Leben. Aus ihr fließt dieBegeisterung das ist die Kraft zur Selbstaufopferung, zur Auflösung inden Gegenstand der Bewunderung. Glaube und Anbetung sind in der Seeleae s Schaffenden. Der leidet am tiefsten dessen Liebe am größten ist. Bism den Grund muß er die menschliche Ohnmacht erfahren und mancher er-lie gt dem Leiden. Der Schaffende aber läßt seine Enttäuschungen, läßt diegroße Zerknirschung hinter sich, wissensohnmächtig und dennoch entsa-gungsfähig wandelt er ü b e r den Verwirrungen des Lebens und schlägt

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