Menschlichkeit, einer leichtbeschwingten Geistigkeit zu der trägen Massedes zurückgebliebenen Lebens, das sich zentnerschwer an sie hängt, dieTragik der Königlich-Geborenen in der unerbittlichen Zusammengehörig-keit alles Lebendigen, so konnte sie freilich aus Hofmannsthal keine andereBefreiung von diesem Schicksal ersehen als ein Verschweben und Hin-gleiten spielender Gebärden, als einen träumerischen Halbschlaf über derFurchtbarkeit des wachen Lebens. Erst als sie einige Jahre später Georgepersönlich kennenlernte und tiefer in sein Werk eindrang, brach durch jene„silberne Trauerwolke der leichtbeschwingten Einsamkeit" der freudigeTon einer neuen Gewißheit, eines gewaltsam-schöpferischen Vorwärtsdrin-gens, eines starken Harfenklanges, mit dem der Dichter „auch im Zauderneines dunklen Zieles sicher" die Seinen führte. „Denn in dieser Zeit unge-heuerer innerer Umwälzung stehen wir da so gut wie führerlos wer,da Propheten nicht mehr aufzustehen pflegen, soll uns weiterhelfen können,wenn nicht der Dichter: Der Dichter, der in seinem Werk unpersönlich ge-worden allein noch mit der Stimme der Notwendigkeit zu reden vermag!?Solch ein Wecker und Helfer könnte uns Stefan George sein, ein Helferneu sich regender Sehnsucht, ein Wecker zukunftsgärenden Lebens in uns— wenngleich die allzu Schlafsüchtigen meinen, daß er am Leben vorbei-greife, weil es i h r Leben nicht ist, das er formend in der Hand hält"-(Sozial. Monatshefte Jan. 1902.) Klang diese Stimme aus den führerlosenGruppen der Aufrührer gegen Staat und Gesellschaft nicht wie ein Ruf nachHilfe und ahnten sie da drunten, daß der größte Gegner, der ihrem Allbe-glückungsträumen erwuchs, auch der einzige war, der das Heilmittel fürdie zerrissene Ordnung kannte und nicht am Rande der Nöte sondern in derMitte am Elend der Herzen den Hebel ansetzte, um eine verfallene Gesell-schaft aus den Angeln zu heben, zu der sie trotz ihrer Propheten undDogmen noch allzusehr selber gehörten und noch gehören?
Die vierte Folge der Blätter hatte schon am Ende des Jahres 1897 em mn "deutendes Merkwort für diesen Bereich des öffentlichen Lebens gegeben:„Eine ganze niedergehende Welt war bei all ihren Einrichtungen aufs ängst-lichste bedacht, den Armen im Geiste gerecht zu werden: möchte eine auf-gehende sich vornehmen, der Reichen im Geiste zu gedenken". Für den derzu hören verstand, ließ dieser Wunsch für den Wandel der Zeitgesinnungnichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig.
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