s chob und ihnen den Blick für die lebendigen Vorgänge der künstlerischenBewegung trübte. Verließen sie freilich einmal den umgrenzten Bereich derr ein verstandlichen Forschungsweise und versuchten sich am lebenden Men-schen, so strauchelten sie um so leichter auf dem fremden Boden, der unge-brochene Instinkte verlangt, wie wir es von Breysig später zu erzählenhaben.
Der beiden Frauen, welche sich in diesen Jahren an öffentlichen Stellenüber die neue Dichtung äußerten, Marie von Bunsen und Lou Andreas-Salome, haben wir schon gedacht, zu ihnen tritt als dritte noch Ria Clas-sen-Schmujlow, eine Freundin Hofmannsthals, welche einige Jahre lang indem Münchener Dichter- und Künstlerkreise verkehrte und seit 1896 inArbeiterzeitungen und Sozialistischen Monatsheften, denen sie durch ihrePolitische Anschauung nahestand, über die Blätter für die Kunst und vor-ne hmlich über die Gedichte und die inzwischen erschienenen kleinen Thea-terstücke Hofmannsthals mit liebender Wärme schrieb. Es berührt nochheute seltsam zwischen Abhandlungen über die Wahlpolitik der Anarchi-sten und das Verhältnis der Kommunisten zur individuellen Freiheit zule sen, daß in den Blättern deutsche Dichter aufgetreten seien, deren grund-sätzlicher Bruch mit allen geltenden Literatenformen seinen tiefsten Grundln der veränderten Stellung dieser Dichter zum Leben habe, deren Kunstein ganz reiner Ausdruck des veränderten Weltbildes sei, „das wir aus derModernen philosophischen und der modernen Naturerkenntnis empfan-^ en • • ., jener Erkenntnis, die wie früher den idealistischen, nun auch denMaterialistischen Dogmatismus aufgegeben hat und all unseren Besitz anWirklichkeit in die inneren Vorgänge und in die Formen setzt, worin sieau ftreten". Was weder den Klassikern noch den Romantikern gelungen ist,so meinte Ria Classen, die heilige unaussprechliche geheimnisvolle Nacht,•1 die Novalis sich versenken wollte, das lebensträchtige Chaos der Urkraft,ZXi dem Karoline von Günderode sich hinabsehnte, all das tief unsagbarea uf dem Grunde der Natur in seiner ganzen dunklen Majestät haben wirlr nmer noch nicht in der künstlerischen Sphäre der Ordnung und des Lich-tes zu bannen vermocht und wir werden es nur im Symbol des Höchstein-tachen vermögen, das zugleich die tiefste Allbedeutung umschließt, eben imSymbol der heiligen Schönheit der Linien und des klaren nie entstellten"hythmus, wie die neuen Dichter sie geben. Solche Meinung an solchem° r t spiegelt deutlich den inneren Bruch des Sozialismus in jenen JahrenWl eder, sein Abrücken von der rein stofflichen Erklärung der Welt, undw enn Ria Classen glaubte, daß in den Dichtungen der Blätter gerade diev erborgensten Zeitgedanken lebendig würden und nach Ausdruck rängen:dl e ungeheure Tragik im Verhältnis einer leichtschreitenden hochköpfigen
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