mehr die malerische im Gegensatz zu der plastischen Dichtungsart desWieners vertreten sah. Aber schon in der großen Studie des folgenden Jah-res „DieLyriker unserer Tage" (Zukunft Jan.—Febr. 1900) galt ihm Georgeals der entscheidende Vertreter einer neuen Kunst, die er im Gegensatz zuder untergehenden Stoffkunst als Formenkunst bezeichnete. Auf dem Ge-gensatz dieser beiden Begriffe baute Breysig die Theorie einer Kunst- undKulturbewegung auf, nach der die Geschichte eine wechselnde Abfolge voneiner beschreibenden, die Wirklichkeit bis ins Einzelne und Kleine wieder-sehenden Stoff kunst zu einerwählenden phantasiereichen, wirklichkeitzwin-Senden Formenkunst mit einer Vorliebe für große und allgemeine Stoffeaufweist. Die letzten Jahrzehnte zeigten nach seiner Meinung ein besondersStoßes und deutliches Bild dieses immerwährenden Kampfes und zwar eineUnvergleichliche Wendung von der Stoff- zur Formenkunst, weil „so folge-richtig und bewußt noch keine Stoffkunst aufgetreten war, wie die, welcheSe it den Tagen Walter Scotts und Delacroix', des Kleist der Novellen und«er Düsseldorfer, Allessandro Manzonis und der Schule von Fontainebleau111 immer neuen radikaleren Vorstößen sich bis zu dem Naturalismus Flau-berts und Zolas, Millets und Manets und aller seiner außerfranzösischen Sei-tenbewegungen und Nachahmungen gesteigert hatte". Aber schon langev °r dem Ausschwingen dieser großen Bewegung hatte sich die Gegenströ-mung geltend gemacht: in der Malerei durch Moreau, die Präraffaeliten,u nd in einem seltsamen unbewußten Umschlagen selbst durch Manets Schü-ler Monet, in der Dichtung durch Baudelaire, den späten symbolischen*&sen, Jens Peter Jacobsen, Gabriele d'Annunzio und den ebenfalls im Be-sinn stoffkünstlerischen Maeterlinck. In Deutschland hatten dann bildendeKünstler hinter Böcklins Führergestalt die gleiche Bewegung zur unwirk-lichen, phantasie- und formentrunknen Kunstübung gegen die noch inv °Her Kraft dastehende Stoff kunst vollzogen: Klinger, Ludwig von Hof-^ann, Leistikow, Peter Behrens, Hans Thoma und der Bildhauer Hilde-bf and. Auch in der Dichtung war diese Bewegung bemerkbar, „aber dere üizig e nennenswerte Versuch auf dem Gebiete der Theaterkunst, eben vondem Führer dieser Stürmer und Dränger der Wirklichkeitskunst unternom-men, mißglückte gänzlich". „Die versunkene Glocke" ist, nach BreysigsWorten, „das Stück eines virtuosen Naturalisten, der sich vorgenommen"at, sich einmal als Phantasten zu maskieren. Nach deutscher Art geschiehtes etwas gelehrt und deshalb absichtlich, auf historischem Wege: durch Wie-deranknüpfung an die Romantik .. . aber selbst die szenischen Anweisun-Sen, die Gabriele d'Annunzio zwischen den einzelnen Auftritten seiner Gio-c °nda geschrieben hat, haben mehr Klang und quellende Schönheit als alleerse der versunkenen Glocke". Dagegen hatte schon mit Nietzsche der
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