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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Umschwung den Wirklichkeitssinn nach innen wandte und die natürlicheWahrheit nun statt in Krankenstuben und Verbrecherhöhlen im Aufspürenund Zergliedern seelischer Vorgänge fand. Den zweiten Schritt sah er imvölligen Verlassen der Lehre von der Wahrheit und vomMilieu", wie esdie Blätter für die Kunst erstrebten im Wissen, daß die Kunst nicht Sinnsondern Form als höchste Forderung habe, daß die große Überlieferungheilig, aber weder Plebejertum noch Phantastik eine Gewähr für künst-lerische Gebilde seien, daß es für die Kunst überhaupt kein Dogma desVerstandes gebe und ihre Wirkung mehr auf das Gefühl als auf den Ge-danken gehe. Wenn Dessoir dann am Schlüsse meinte, die einen wie dieandern übersähen,daß die Kunst zu allen Zeiten ein soziales Phänomenwar und bleiben wird" und daß an der Notwendigkeit der Massen als Un-terlage für die Erzeugung drei oder vier genialer Menschen keinesfalls zuzweifeln wäre, so glitt er damit in die befehdete Lehre vom Milieu zurückoder sagte nicht mehr als daß die Kinder Kinder ihrer Eltern, die MännerMänner ihres Volkes sind woran zu zweifeln sich niemand unterfangenwird. Richard M. Meyer wollte (in den Preuß. Jahrbüchern vom April1897) zum Verstehen einer Dichtergruppe anleiten, dievielen kaum weni-ger fremdartig erscheinen wird als die eben ausgegrabenen Mimiamben desHerondas oder andere Dichtergrüße aus verschütteten Welten", er hoffteaber für diese deutschen Zeitgenossen auf einen gleichen Anteil rechnen zUkönnen, wie man ihn Mitteilungen aus altgriechischer oder neuspanischer,deutschlateinischer oder russischer Literatur zuteil werden ließ. Er sahder neuen Dichtung ihrem inneren Beweggrund nach vor allem eine Ge-genbewegung gegen den Naturalismus, ein Erwachen der uralten Sehn-sucht nach der Schönheit und ihre Verwirklichung in einer für die Dich-tung neuen Technik, nämlich nicht die Wiedergabe oder Vorzauberungder Dinge oder Gesichte selbst, sondern ihrer Eindrücke in der Seele desKünstlers in einer möglichst vollkommenen Form. Diese Formvollendungder jungen Dichter bestimmt sich aber nach seiner Ansicht im Gegensat«zu Platen und Theodore de Banville nicht nach äußeren festen Regeln son-dern nach der Reinheit der durch ein Kunstwerk im Betrachter erwecktenStimmung. Die Reinheit der Wirkung dieser Stimmung erfordert einenpersönlichen Stil für jeden der Dichter, der gerade die Eigenart seinerSeele und seines Erlebnisses wiedergibt. So fand er in den DichtungenGeorges und Hofmannsthals bei gleicher dichterischer Durchformung einegroße Unterschiedenheit der Ausdrucksweise: Während die VisionenGeorges sich architektonisch mit breiten Räumen und tiefem Hintergrundaufbauten, erschienen sie bei dem weicheren fast weiblichen Hofmannsthalals Basreliefs. George nehme seine Traumbilder ganz aus Stoff und Ar*

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