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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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des Allseins heischt fürder der Wille des einzelnen: tief ekelt ihn desschnell erkämpften Preises. Sehend zu werden hat seine Seele wiederumSl ch hingegeben, aber nicht in den gestaltlosen Schlamm zurück scheuchtes ie ihr Leid wie dies ehedem geschah: als Opferrauch loht sie nun empor,aufwärts zum Reich der Reiche".

Der so schrieb und dies gilt in gleicher Weise für die andernkonnte fast zu derselben Zeit schreiben:Stefan George ist kein Mystiker,kein Stifter neuer Religion, kein helldunkler Zauberer und seine Werke zei-gen eine zum Einfachen, Ungeschminkten, Strengen fortschreitende Ent-wicklung" und konnte das einzige aber furchtbar strenge Gesetz seinerMuse, das unerbittliche Schönheitsbegehren um jeden Preis, die Forde-rung des Gleichmaßes von höchstem Zweck und reinstem Ausdruck zumGegenstand seiner sachlichen Erörterungen machen (Pan IV, 4. Mai 1898).**Urz dem hymnischen Rausche fehlte wie bei George selbst auch bei sei-ne n Anhängern nicht die Nüchternheit des Geistes, der von Gesetz und Wir-kung dem Verstände Rechenschaft gibt. Gerade die Verbindung beiderKr äfte machte ihre Einsichten tiefdringender und fruchtbarer als sie in derVereinzelung einer der Kräfte geworden wären und wenn wir die Meinun-gen der befreundeten Gelehrten jener Jahre über George und die Dichtungbetrachten, so finden wir sie weniger eindringend und schnellerem Wech-sel unterliegend, gerade weil sie einseitig aus der verstandlichen Teilkraftst arnmen.

Max Dessoir untersuchte in Westermanns Monatsheften vom April 1896«das Kunstgefühl der Gegenwart" und zeichnete mit harten Worten dieJahrzehnte seit der Mitte des Jahrhunderts, deren Götter Dampf und Elek-trizität, deren Evangelium Freihandel oder Schutzzoll und deren Tempelß Örse und Fabriksaal hießen, Jahrzehnte, in denen neben den Wirtschaf-tern gelehrte Barbaren herrschten, die Bildung an Ausdehnung gewann,a °er erschreckend schnell der Tiefe verlustig ging und die Kunst dem ver-ödeten Weltverständnis entgegenkommend, Gedankenrätsel und Hirn-m usik, häßliches und langweiliges Stoffhäufen bis zur Roheit und Gemein-heit erzeugen konnte. Auch das große Jahr 1870 hatte die Hoffnung aufeir »e neue Blüte der Kunst getäuscht,denn aus dem arbeitsamen Ge-schlecht erwuchs niemand, der das neue Leben wahrhaft gemeistert, dieTTUnsicherheit der sittlichen Begriffe überwunden und dem deutschen Volke

gesagt hätte, was es leidet und was es fühlt". Die Naturalisten hatten nachseiner Meinung die Öffentlichkeit zwar wieder an Kunst und Künstler den-ken gelehrt, aber ihre Kunst war eine Dirne geblieben. Der erste Schritt zurÜberwindung dieser künstlerischen Ohnmacht schien ihm einnaturalisti-scher Subjektivismus" der nach dem inzwischen in Frankreich erfolgten

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