der wirklichen „großen Natur", während Hofmannsthal dazu neige, schondiese Welt selbst künstlerisch durchzuarbeiten, nicht bloß ihre poetischenAbbilder: „So reflektiert er denn auch mehr, greift bewußt zum SymbolUnd schafft sein Schönstes, wo ein tief andeutender Sinn seiner Dichtunggleichsam die dritte Dimension verleiht". Auch die übrigen Dichter derBlätter begleitete Meyer mit einigen klugen Worten und nur bei WaclawLieder glaubte er „die Demut des echten Künstlers zu vermissen", begreif-lich da der kleine Berliner Professor einmal persönlich vor diesem unnah-baren adligen Menschen gestanden hatte. Befremdlich blieb ihm auch derGesamteindruck, den die Blätterdichtungen trotz der persönlichen Eigen-sten ihrer Verfasser erweckten. Er erklärte ihn aus der Idee, in der sie sich2 u einer Gemeinschaft verbunden fühlten und erläuterte diese Idee an einemWorte Hofmannsthals, das dem Plauderton Meyers mit einem Male einegrößere Tiefe gab: „Wir sind gute oder schlechte Magneten, aber allemals >nd wir beherrscht von ungeheuren Kräften, deren Wucht alle irdische Er-hebung in Machtentfaltung, Schönheit, Geist als Spiel erscheinen läßt. Unddle großen Mächte sind es, auf die der Magnet der Dichtung hinweist.^tWas was entfernt an die alten Träumereien von der Harmonie der Sphä-re n erinnert, was die Philosophie der Sophie Germain mit ihrer Psychologieder mathematischen Schönheit erneut hat, etwas was man im höchstenSinne religiös nennen muß, ist der Untergrund der kunstreichen Bautendieser merkwürdigen Werkmeister. In diesen Dingen vor allem stimmendie Genossen überein: in dem Fundament einer realistisch-mythologischenWeltanschauung, der Licht, Wärme, Schönheit wieder wie den alten Grie-ben lebende Gottheiten, wirkende Kräfte geworden sind und in der Kunst,die auf dieser Grundlage die Illusion vollkommen schöner Eindrücke her-v °rrufen will".
Georg Simmel berührte die Frage der Gemeinschaft der Blätter-Dich-ter überhaupt nicht, er behandelte allein George und dessen Dichtungen.°eim Kennenlernen dieser Dichtungen erhielt er im Gegensatz zu den"ödenden Künstlern zunächst keinen tieferen Eindruck, aber er fühltedoch ein Fremdartiges und Verschlossenes darin, das ihn mehr und^ehr beunruhigte. Erst im einsamen Arvenwald der Hochalpen, wo-hin er die Gedichte mitgeführt hatte, öffnete sich ihm bei einem Son-nenuntergang plötzlich das innere Ohr für die neue Kunst und ausdiesem ersten Verstehen heraus schrieb er seine „kunstphilosophischeBetrachtung: Stefan George." (Die Zukunft, Febr. 1898.) Er ging beifeiner Betrachtung von einer Transzendenz des Ichgefühls aus, vonJener tiefsten Schicht des Ich, in der es sein Gefühl nicht unmittelbara ' s seine besondere persönlich-leidenschaftliche Fühlweise sondern s o
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