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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Überlieferung". Die großen deutschen Dichter der Vergangenheit, so er-läuterte Gerardy, hatten fast alle Formmöglichkeiten, zu der die logischeEntwicklung der französischen Sprache jetzt führte, schon verwirklichtund bei seiner Wanderung durch die lateinischen Länder brachte Georgenur einen verfeinerten Geschmack mit, der fähig war jede Anmut undSchönheit zu fühlen: er klärte sich in der Sonne des Südens wie alle Star-ken seines Stammes es tun, um die strahlendere Entfaltung des Lebens zuschauen. Aber seine Aufgabe war eine gänzlich andere als die der französi-schen Dichter, die den erstarrten französischen Vers aus einer unbeweg-lichen Eisenmühle befreien mußte. Die gänzliche Gestaltlosigkeit und un-vorstellbare Dürftigkeit hatten aus dem deutschen Vers eine Prosa von ba-nalen Rhythmen gemacht, deren Sinn ebenso leer und gewöhnlich wie dieForm war und jeder Kunst Hohn sprach. George, der Gedanke undForm, Kunst und Dichtung wunderbar vereinte, wußte die Häßlichkeit undbarbarische Ornamentik des parnassischen Verses ebenso zu vermeiden wiedie Nachlässigkeit der deutschen Lieder und das reinste Metall in einereine und erlesene Harmonie zu bringen, ohne Schlaffheit und ohne über-flüssige Zierlichkeit. Er sammelte in den wenigen Dichtern der Blätter daswahre Deutschland um sich, das langsam gegen den fremden Geist, gegenden jüdischen Geist, den slawischen Geist, das Berliner Händlertum auf-stehe, das wahre Deutschland das aus den heiteren und fruchtbaren Ge-filden Deutschlands komme, die noch lebten und bebten:Die Ufer desRheines, des majestätischen Stromes, wo die ganze deutsche Seele sich inden Erinnerungen gewaltiger Sagen spiegelt, haben mit ihrer ganzen glor-reichen Vergangenheit an der Wiege der neuen Dichter gelächelt und dergebieterische Zwang der Landschaft-------enthüllt sich hier in seiner gan-zen Macht. Das wahre Deutschland, das des Südens, der Ufer des Rheinesund der Donau, das Deutschland der Franken, der Schwaben, der einzigenStämme, welche das Geschenk der schönen Künste offenbart haben, wirdbald gegen das fremde Deutschland, das falsche Deutschland der Bettel-ware und Tageserfolge, das Deutschland der Nachahmung und Einfuhrkämpfen und die Empörung wird siegreich sein.

Der Haudegen von Berlin mag sein Eisenzepter, sein Zepter der Be-drückung des Geistes ausdehnen: niemals wird er die germanischen Hirneauf das Maß seines Barbarenhelmes herabdrücken. Die Schar der Blätterwird ohne Aufhören gegen den zerstörenden Einbruch der Barbarenkämpfen und sollte sie dennoch durch die wilde Wut vernichtet werden,so wird von ihr noch die Erinnerung an die letzten schönen Werke einesunglücklichen Stammes weiterleben. Aber der Geist und die Schönheitsind unsterblich. Sie allein werden am Ende siegreich sein und bald wird

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