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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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gemeinste aller geistigen Nahrungen in Europa, die Wissenschaft als eineBrillenweisheit, die ihren alten hohen Anspruch auf schöpferisches Denkenaufgegeben und sich mit größter Peinlichkeit auf kleinste Teilgebiete zu-rückgezogen habe, um zu registrieren, zu klassifizieren und wie ein Schakalin Gräbern zu wühlen, die Kunst der Naturalisten als eine klägliche Nach-äfferei der Fremden, die sich mit den Russen mitleidvoll, mit den Norwe-gern moralistisch und mit den Franzosen mystisch und symbolisch ge-bärde.Der deutsche Biedermann stolziert wenn er getrunken hat, mitleerer Seele wohlgefällig einher, er betet Öldruckbilder von Mondschein-landschaften an und all diese Bettelware, die man auch bei uns hat einfüh-ren wollen, das sentimentale Lied, töricht wie ein Weihnachtsbaum: Klein-Leute-Glück und Ergießungen für Ladenmädchen! Und an dieser erstarr-ten Wüste des Todes ging Nietzsche vorüber, übermächtig und strahlendwie ein Meteor, nur Verblüffung und Staunen erweckend, ging auch Böck-W gleich ihm vorüber: sie fanden keine Folger, sie wurden nicht begrif-fen". Aber Gerardy blieb nicht an diesem Zeitbild haften, er hatte ein Wis-sen darum, daß der deutsche Genius nur bei furchtbaren und unerwartetenErschütterungen aufwacht:Nach langen Zeiten des Schlafes, der Starr-heit, man könnte glauben des Todes erhebt unter dem Andrang einer gro-ßen und neuen Idee, oft aufgestachelt im Augenblick unheilbaren ElendsWenn der endgültige Untergang sich drohend ankündigt, die deutsche Seeles ich mächtig und glänzend in der Verzweiflung von tausend Schmerzeninmitten blutender Trümmer. Viermal warf ein solches Erwachen die er-staunte Welt in neue und ungeahnte Bahnen, viermal störten Zermalmung"nd Schmerz die Germanen-Ruhe auf und jedesmal sah die Welt sich ge-wandelt von dem Stoß der ungeheuren Erschütterung".

Nach diesen vier Stößen, der Völkerwanderung, der Staufer- und Minne-sängerzeit, der Reformation und klassischen Dichterzeit kündete sich nachseiner Meinung in der neuen Starre der Deutschen auch die neue Erschüt-terung Europas an. Schon flog die Schwalbe dem Sturm voraus und derGeist der Dichter erwachte wieder. Wie ein plötzlicher Sonnenstrahl,schrieb die L'Art Moderne im März 1896 über einen Vortrag Gerardys vonähnlichem Inhalt, brach in das düstere Gemälde des heutigen Deutschlandder Ausruf des Vortragenden:Hier in einem Winkel klarer und reinerHoffnung ist Freude, hier ist Kunst, hier ist Schönheit! Es lebt ein Dich-ter in Deutschland, der fast unbekannt und unbeachtet sich nur seinerKunst und der glühenden leidenschaftlichen Verehrung seiner wenigenfreunde erfreut. Triebsicher fand sein Geist die Überlieferung wieder oderbesser gesagt: er gab sich selbst in seiner ganzen Schönheit und befandSl ch so mit seinem Genius ganz natürlich in der großen unterbrochenen

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