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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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von Großbuchstaben hat er nie entworfen, sondern nur immer neue Alpha-bete von Zierbuchstaben geschaffen, die sich weniger durch die Buchsta-benleiber als durch die Raumornamentik, worin diese gestellt sind, von-einander unterscheiden und innerhalb deren auch die gleichen Einzelbuch-staben häufig in ihren Formen wechseln. In diesen wechselnden Formenund den sie umschließenden Raum- und Sinnbildern ist er freilich von un-erschöpflicher Fülle und einer Erfindungskraft, die vor keiner noch sogroßen und vielfältigen Anforderung versagt. Bei George liegt der Nach-druck auf der Einfachheit und Schönheit des Schriftbildes selbst, bei Lech-ter auf dem monumentalen Schmuck, in den das Schriftbild eingebettetwird. Zu diesem Schmuck gehörten aber nicht nur Rahmen, Schlußleistenund Zierbuchstaben, sondern der ganze architektonische Aufbau und dieganze Stofflichkeit des Buches: Inneres und Äußeres, Stoff, Ton und Linie,die kostbaren Papiere, Pergamente oder Seiden, Titel, Inhaltsverzeichniswie Seitenzahl, Schmuck und Block sind jeweils in einer einheitlichen Ord-nung gebunden und fügen sich wachstumsmäßig zu einem Ganzen. Nichtsam Buche das unbedacht, nichts in der Ausführung das unüberwacht bliebund nur durch die äußerste Sorgfalt und seine unermüdlich treibende Wil-lenskraft gelang es Lechter auch für seine größeren Werke, was Georgeschon in der Stille für seine frühen Bände gelungen war: den veraltetenKanon der Setzer und Drucker zu überwinden und der neuen Buchkunstdie Bahn zu brechen. Das Spannungsverhältnis Georges zu Lechter in dergemeinsamen Buchgestaltung drückt sich deutlich in den drei großenHauptwerken aus, die sie im Jahrzehnt ihrer engsten Arbeitsgemeinschaftvon 18971907 herausgaben: DAS JAHR DER SEELE, DER TEPPICHDES LEBENS und DER SIEBENTE RING.

DAS JAHR DER SEELE ist mit Ausnahme des Einbandes und Titelblat-tes bis in Format, Satzbild, Dreifarbendruck, Fehlen der Seitenzählung unddes Inhaltsverzeichnisses eine genaue Wiedergabe der Georgeschen Hand-schrift des Buches, die Lechter so vollkommen schien, daß er mit kältesterVerachtung der Bedürfnisse des Publikums nichts daran änderte. DERTEPPICH DES LEBENS dagegen trägt unverkennbar am stärksten das Ge-sicht Lechters, wenn auch der innere Bau des Buches mit seinen dreimalvierundzwanzig vierstrofigen Gedichten einer strengen wuchtigen Teilungentgegenkam. Die Großheit, Reichheit und Einheit der Titel und Schluß-blätter, der dreimal wechselnden Rahmen um die zwei mit Zierbuchstabengeschmückten Gedichtkolumnen ist bisher im deutschen Schmuckbuch un-übertroffen geblieben, gleichgültig wie man über die archaisierenden goti-schen Formen Lechters denkt, die ihm wesenhaft sind und lebendiger wir-ken als eine mißverstandene Modernität. Im SIEBENTEN RING endlich

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